zum Tierwissen
Tierwissen » zurück » Inhalt Wirbellose » Impressum » News  » Wissensquiz
Perlboot
(Nautilus pompilius)
Eines der letzten lebenden Fossile
 

Die Vorfahren des Nautilus, oder besser der Nautiliden waren die Ammoniten, welche als langgestreckte Formen vor mehr als etwa 500 Millionen Jahren entstanden. Die weitere Evolution führte zu einer großen Vielzahl von aufspiralisierten Formen, wobei die kleinsten Arten nur etwa einen Zentimeter groß waren. Die größten unter ihnen konnten jedoch einen Durchmesser von mehr als als zwei Metern erreichen. 

Über den Zeitraum von 350 Millionen Jahren erlebten die Ammoniten ihre Blütezeit, bis sie vor etwa 60 Millionen Jahren völlig vom Erdboden verschwanden. 

Das Perlboot (Nautilus) überlebte jedoch bis in die heutigen Tage – man kann ihn also als lebendes Fossil ansehen. 

Die Gruppe der Perlboote umfasst sechs verschiedene Arten:
  • Nautilus belauensis
  • Nautilus macromphalus
  • Nautilus pompilius
  • Nautilus repertus
  • Nautilus stenomphalus
  • Allonautilus scrobiculatus

Im Gegensatz zu den heutigen Tintenfischen wie Sepien oder Kraken besitzt das Perlboot ein gekammertes Außengehäuse, welches jedoch erst im ausgewachsenen Alter eine Anzahl von 30 Kammern aufweisen kann. Jede neue Kammer wird innerhalb eines Monats neu gebildet – und jede neue Kammer wird dabei doppelt so groß angelegt wie die vorherige. Erst die letzte, neueste und somit größte Kammer wird das Perlboot schließlich bewohnen, welches Zeit seines Lebens niemals aus seiner Schale heraus gekrochen kommt. Für den Auftrieb (nötige Bewegung des Perlboot) sorgt ein zentral durch diese Kammern führender Gewebestrang, der sogenannte Siphunculus, der die Kammern mit Gas versorgt. Da dieser Druck durch die Veränderung vom Verhältnis Gas zu Wasser regulierbar ist, kann eine wippende Bewegung für die Fortbewegung sorgen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei einem U-Boot - nimmt der Nautilus Gas in den Gewebestrang auf, sinkt der Kammerdruck und Wasser strömt ein. Der Nautilus sinkt, weil seine Kammern schwerer werden. Lässt der Nautilus statt dessen Gas (überwiegend Stickstoff) in die Kammer strömen, so wird das Wasser aus der Kammer verdrängt und er steigt durch das verloren gegangene Gewicht wieder auf. Da somit ein schnelles Fliehen vor Feinden (Drückerfische oder andere Tintenfische) unmöglich ist, kann der Nautilus zu seiner eigenen Sicherheit seine Schalenmündung mit einer fleischigen Kappe verschließen.

 

Obwohl die Perlboote zu den Kopffüßern (größte meereslebende Wirbellose, die es auf der Erde gibt) gehören, unterscheiden sie sich durch eine Vielzahl von Merkmalen von den anderen noch lebenden Arten. So ist er der einzige heute lebende Kopffüßer, der eine äußere Schale hat. Man könnte in die Versuchung kommen, ihn als Schnecke zu betrachten, wobei bei diesen die Schale jedoch asymmetrisch, nicht wie beim Perlboot symmetrisch gewunden sind. 

Weiterhin hat der Nautilus viel mehr Fangarme als irgend ein anderer bekannter Kopffüßer. Dies können etwa 90 Stück sein, die rund um die Mundöffnung herum kranzförmig am Kopf befestigt sind. 

Im Gegensatz zu den anderen Kopffüßern wie Kraken und Kalmaren besitzt der Nautilus keine hoch entwickelten Linsenaugen. Sie haben keine Linsen, sondern funktionieren nach dem Lochkameraprinzip. 

Indem die Pupille immer kleiner wird, sorgt die Iris für ein klares Bild. Wie bei einer Kamera, geht so etwas nur auf Kosten der Lichtstärke, so dass der Nautilus wohl nur sehr schwach sehen kann.

Anders als bei den bekannten Tintenfischen besitzt der Nautilus jedoch keine Saugnäpfe, um Beute festzuhalten – bei ihm sondern die Tentakel ein klebriges Sekret ab, was allerdings fast die gleiche Wirkung hat. Ansonsten gibt es zwischen den beiden Tieren noch einen weiteren großen Unterschied – beim Tintenfisch findet man 2 – beim Nautilus dagegen 4 Kiemen.

Die Geschlechter des Nautilus lassen sich ganz einfach „abzählen“, denn Männchen besitzen ca. 60 – die Weibchen bis zu 90 Fangarme. Von diesen sind zwei deutlich länger als die übrigen. 

Bei der Fortpflanzung benutzt das Männchen vier umgewandelte Arme für die Übergabe einer Spermatophore. Nach dem Ablaichen der um die 2 cm großen Eikapseln schlüpfen nach 9-14 Tagen die ersten Nautiliden. Diese können ein Wachstum von 0,1-0,6 mm pro Tag aufweisen und erreichen ausgewachsen eine Größe von ca. 20 cm. Das Höchstalter beträgt etwa 4 Jahre.

Das gewöhnliche Perlboot lebt in Tiefen zwischen 50 – 400 m bei Wassertemperaturen von 8 bis 24 Grad. Diese Bedingungen findet es an den Küsten von Neukaledonien, den Fidschiinseln, Neuguinea, den Sudaninseln und den Philippinen vor. 

In den Tiefen des Meeres jagt es unterschiedliche Beutetiere an den Wänden des Korallenriffs, dazu gehören auch Fische, Krebse und Aas. Wird es Nacht, findet man den Nautilus an der Wasseroberfläche.

 
Tierwissen » zurück » Inhalt Wirbellose » Impressum » News  » Wissensquiz

Copyright 08/2006 © Tierwissen.de
Text und Fotos:Chawera
Fotos mit Genehmigung vom Tierpark Bochum
Layout: Chawera



Alle Texte und Fotos unserer Tierseite "Tierwissen.de" sind Urheberrechtlich geschützt.

Eine Veröffentlichung außerhalb dieser Internetpräsenz untersagen wir hiermit ausdrücklich!
Ausnahmen gelten nur für die Fotografen, in Absprache der Seitenbetreiber untereinander, sowie mit schriftlicher Genehmigung.

Jede unerlaubte Handlung (Textdiebstahl oder Fotonutzung)
wird durch uns ohne Ausnahme rechtlich verfolgt!