Zauneidechse (Lacerta agilis L.)

Innerhalb der Klasse der Kriechtiere gehört die Zauneidechse zur Ordnung der eigentlichen Schuppenkriechtiere. Hier zählt sie zur Unterordnung der mit ca. 180 Arten bekannten "Echten Eidechsen".

Echte Eidechsen sind kleine bis mittelgroße Insektenfresser, welche in Bodennähe leben. Im europäischen Raum einschließlich dem Kaukasus kommen 7 Gattungen mit etwa 50 Arten vor, wobei diese selbst bei gleicher Art im Aussehen sehr unterschiedlich sein können.


Eine dieser Gattungen (Lacerta=Halsbandechse) ist die sich in neun Unterarten teilende Zauneidechse. Eine Unterscheidung dieser Unterarten nach dem Erscheinungsbild ist selbst für Biologen im freien Feld schwierig. Häufig gibt es nämlich Mischpopulationen, wobei eine Artenbestimmung nach Aussehen doch recht schwierig wird. Leichter lassen diese Eidechsen sich nach ihrer Verbreitung einordnen. Hier gibt es zwei verschiedene Gruppen, nämlich die westliche (Balkan) und die östliche (Kaukasus).


Aussehen

Mit einer Körperlänge von über 9 cm und einer Schwanzlänge von bis zu 15 cm gehört die Zauneidechse zu den größeren Vertretern der Echten Eidechsen. Auf ihrem Rücken befindet sich eine Reihe von zehn verschmälerter Schuppen.

Ihre bräunliche Oberseite mit dunklen Rückenstreifen wird gesäumt von dunkel und hell gerandeten Flecken.

Die Geschlechter lassen sich recht leicht durch die verschiedenen Unterseiten erkennen, denn beim Weibchen ist diese gelblich, beim Männchen oft grün (in der Paarungszeit sogar leuchtend grün).


Lebenslauf und Ernährung

Wie viele andere Eidechsenarten auch, ist die Zauneidechse an ihren Lebensraum recht anpassungsfähig. Voraussetzung ist aber ein gemäßigtes kontinentales Klima.

Das Verbreitungsgebiet der Zauneidechse erstreckt sich über große Teile Europas und des angrenzenden Westasiens - von England im Westen bis zum Baikalsee im Osten, und von den Kaukasusländern im Süden bis zum zentralen Skandinavien im Norden. Sie fehlt jedoch auf der Iberischen Halbinsel sowie in den meisten Bereichen Italiens und des Balkans. In Belgien gibt es vereinzelte Nachweise der Zauneidechse aus dem belgisch-niederländischen Grenzgebiet im Norden. Davon abgesehen ist ihr Vorkommen aber auf das Gebiet südlich des Flusses Semois, ganz im Südosten des Landes, beschränkt.


Obwohl sie geschlossene Waldungen meidet, kann diese Eidechse als Waldsteppenbewohner angesehen werden. Sie liebt feste, lehmige oder steinige, trockene bis leichtfeuchte Böden, welche aber auch gerne mit einer Krautschicht überzogen sein dürfen. Da sie zum Schutz vor Feinden Deckung in Form von Sträuchern, verfilzten Pflanzen, Steinhaufen, Holzstapeln, freiliegendem Wurzelwerk, Mäuselöcher etc. braucht, ist sie vorwiegend an sonnigen Waldrändern, Hecken, in Heidegebieten, Hochweiden oder Buschsteppen anzutreffen. Hier sieht man sie häufig auf höheren Steinen, Holzhaufen, Baumstümpfen oder ähnlichem liegen, wo sie ihr tägliches Sonnenbad zur Regulation ihrer Körpertemperatur (31-32°C) einnimmt.


Als Unterschlupf für ihren Winterschlaf bevorzugt sie Hohlräume zwischen Steinen oder Wurzeln.
Jedes einzelne Tier bewohnt zumeist sein Leben lang ein klar abgestecktes Territorium von einigen Quadratmetern Größe. Dieses wird von den Männchen auch in Revierkämpfen heftig verteidigt, wobei den jeweiligen Kontrahenten die durch diese Kämpfe verursachten Narben (hauptsächlich Kopf und Beine) zieren.

Auf ihrem Futterplan stehen neben Insekten und Spinnen, Kleintiere wie Würmer und Schnecken, nicht selten auch kleine Mäuse, junge Frösche oder Jungtiere anderer Echsenarten und gelegentlich Früchte. Dabei dient ihnen ihr Schwanz als Fettspeicher. Sollte die Ernährungslage in einem Jahr so schlecht sein, dass die Tiere die Winterruhe hinauszögern, fallen ihnen selbst die eigenen Jungtiere zum Opfer, welche im Spätsommer (Mitte August) schlüpfen.


Abhängig vom jeweiligen Klima im gewählten Lebensraum, verbringen die Zauneidechsen den größten Teil des Jahres (etwa 5-7 Monate) in einem Winterquartier. Bei guter Energieversorgung gehen die Männchen meist im August, die Weibchen aufgrund der energiezehrenden Eiablage im September und die Jungtiere im Oktober in den Winterschlaf. Erwachen tun zuerst die Jungtiere, dann die Männchen und zum Schluss die Weibchen. Diese Winterruhe (Mitteleuropa etwa September-April) wird erstaunlicherweise ohne jeglichen Gewichtsverlust der Tiere überstanden.

Feinde der Zauneidechse sind aus der Luft: Bussard, Turmfalken und andere Greifvogelarten und am Boden: Schlingnatter, Wiesel, Hermelin, Katzen und Hunde.

Paarung und Jungtiere

Unterschiedliche Angaben finden sich in der einschlägigen Literatur über die Geschlechtsreife der Zauneidechsen. Die einen meinen, sie wäre nach der 2. Überwinterung erreicht, andere meinen aber eher, dies wäre bereits nach der 1. Überwinterung der Fall. In dieser Phase jedoch ist die Hauptwachstumszeit der Zauneidechsen.


Gewöhnlich findet die Paarung nach der Winterruhe (Mai/April) statt, welche durch eine Balz der Männchen eingeleitet wird.

Die Wahl der Weibchen fällt bevorzugt auf die größeren Männchen. Das paarungsbereite Weibchen signalisiert dies dem Männchen durch Treteln. Dabei wendet sie sich vom Männchen ab, hebt Vorderkörper und Kopf an, die Schnauzenspitze wird hoch in die Luft gereckt und ihre beiden Vorderbeine paddeln schnell in der Luft herum. Bei der sich anschließenden Paarung verbeißt sich das Männchen in die Flanke des Weibchens und krümmt seinen Körper weit nach hinten, um mit seinem Hinterbein über die Schwanzwurzel des Weibchens greifen zu können. Nun erst kann es zur Begattung kommen. Später sind die begatteten Weibchen dann leicht von den anderen durch ihre Bissspuren auf ihren hellen Bauchseiten erkennbar.


Einen Monat später (ca.10 Tage nach der Begattung=Mai/Juni) werden dann nachts die pergamentartigen dünnen Eier vom Weibchen in selbst gegrabenen Erdgängen abgelegt. Diese einige Zentimeter tiefen Gänge graben sie in sonnenexponiertem lockerem Erdreich oder sandiger Erde. Ein geeigneter Erdgang wird jedes Jahr wieder genutzt. Findet das Weibchen jedoch keinen Gelegeplatz, kann sie die Eiablage um 5 Tage verzögern. Die Entwicklung der Jungtiere ist temperatur- und feuchtigkeitsabhängig. Da die optimale Bodenfeuchtigkeit bei 5% liegt, schlüpfen bei nasskalter Witterung wenig und bei Trockenheit missgebildete Jungtiere. Weitere zwei Monate später (8 Wochen=Mitte August) schlüpfen dann aus den 3-14 (5-22) Eiern die etwa 4-6 cm langen kleinen, sofort selbständigen Zauneidechsen, welche ohne Elterntiere sogleich ein eigenständiges Leben führen können.

Da die Eiablage für das Weibchen sehr kräftezehrend ist, überlebt es bei schlechter Witterung und Ernährungslage den darauffolgenden Winter nicht.

Schwanzautonomie

Die Fähigkeit den Schwanz abzuwerfen wird als Schwanzautonomie bezeichnet. Auch die Zauneidechse besitzt diese Fähigkeit, damit es eine größere Überlebenschance bei einem Angriff durch einen Fressfeind hat. Der abgeworfene zappelnde Schwanz zieht die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich und gibt damit der Eidechse die Möglichkeit zur Flucht.

Das Abwerfen des Schwanzes ist nur durch die anatomische Besonderheit der letzten Schwanzwirbel möglich. Ab dem 6. Wirbel hat jeder eine Sollbruchstelle und in diesem Bereich hat auch das Binde- und Muskelgewebe eine Schwachstelle. Das kräftige abrupte Zusammenziehen der Ringmuskel der einen oder anderen Schwanzregion führt zum aktivem Abwurf des Schwanzendes. Die Nerven in diesem abgestoßenem Schwanzstück sind noch bis zu 20 Minuten aktiv (autonomes Nervensystem) und lassen ihn heftig zappeln.


Da der Schwanz als Energiespeicher benötigt wird, ist es für das Überleben der Eidechse wichtig, dass er nachwächst. Im Laufe eines Monats nach dem Abwurf bildet sich ein „Ersatzschwanz“, der aber kürzer und von einer anderen Farbe als der „Originalschwanz“ ist. Anstatt einer Wirbelsäule hat der neue Schwanz nur einen ungegliederten Knorpelstab, von dem kein Stück mehr abgetrennt werden kann. Solange der Schwanz nicht mit dem 6. Wirbel abgetrennt wurde, kann er an einer anderen Sollbruchstelle wieder abgeworfen werden und nachwachsen.