Suppenschildkröte (Chelonia mydas)

Meeresschildkröten gehören zu den ältesten Tierarten, die bis in die heutige Zeit überlebt haben. Bereits vor 200 Millionen Jahren schwammen diese Tiere anmutig in den Meeren. Vor etwa 100 Millionen Jahren teilten sie sich den Meereslebensraum mit verschiedenen Saurierarten. Während alle Saurier im Laufe der Zeit ausgestorben waren, überlebten die Meeresschildkröten bis zum heutigen Tag.

Während es damals noch viele verschiedene Arten gab, kommen heute weltweit nur noch sieben Arten vor. Und wenn die menschliche Ausbeutung der Meere so weiter geht, werden schon sehr bald auch diese letzten Überlebenden einer einst zahlreichen Art von diesem Planeten verschwunden sein. Alle Meeresschildkröten stehen heute auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion, die Suppenschildkröte ist in der Kategorie „bedroht“ aufgelistet. Die Suppenschildkröte gehört zur Familie der "eigentlichen Meeresschildkröten" (Cheloniidae).


Der Lebensraum der Suppenschildkröten bezieht sich auf die tropischen und subtropischen Meere, wo die Wassertemperatur das ganze Jahr mindestens 20 Grad Celsius beträgt. Hauptsächlich hält sie sich an küstennähen Gebieten auf, im weiten Meer ist sie nur selten anzutreffen. Die Suppenschildkröte gehört zu den wechselwarmen Meeresreptilien und ist die zweitgrößte Meeresschildkröte der heute noch lebenden Arten. Sie erreichen eine Panzerlänge von 100 bis 140 Zentimeter und ein Gewicht von 150 bis 400 Kilogramm.


Die Suppenschildkröte ist die einzige pflanzenfressende Art unter den Meeresschildkröten. Während die anderen „Raubtiere“ sind, ernährt sie sich hauptsächlich von Schildkrötengras. In den seichten Gewässern der Tropen und Subtropen bildet diese Grasart „Unterwasserwiesen“, die von Seekühen und Suppenschildkröten beweidet werden. Außerdem ernährt sie sich von Meeresalgen (Tang). Lediglich während des Wachstums und später während der Paarungszeit werden auch kleine Krebse und andere wirbellose Kleinlebewesen nicht verschmäht.

Außergewöhnlich bei allen Meeresschildkröten, im Gegensatz zu anderen Wassertieren, ist, dass sie zur Eiablage ihren Lebensraum Wasser verlässt und an Land geht.


Während die Tiere sich im Wasser sehr behende und elegant bewegen, sind sie an Land langsam, schwerfällig und verletzbar. Die Weibchen der erwachsenen Suppenschildkröten paaren sich etwa alle drei Jahre, dann allerdings meist mehrfach. Hierzu verlassen sie ihre Weidegründe und legen oft Tausende von Kilometern zurück, um sich an ihrem eigenen Geburtsort mit einem Männchen zu paaren und nach einigen Tagen zur Eiablage an Land zu begeben. In der schützenden Dunkelheit der Nacht schleppen sich die Weibchen den tropischen Strand hinauf bis oberhalb der Flutmarke.

Mit ihren kräftigen Hinterflossen graben sie ein Loch, in das etwa 100 runde weiße Eier abgesetzt werden. Nachdem das Loch wieder zugeschaufelt wurde, presst das Weibchen mit schaukelnden Bewegungen ihres Körpers den Sand fest und begibt sich wieder zurück ins sichere Wasser.


In den nächsten Tagen paaren sich die Suppenschildkröten meist noch mehrmals. Die nächsten 10 bis 15 Tage werden zwischen zwei und sechs Gelege im Sand abgesetzt. Die Anzahl der Eier variiert sehr stark. Ein Gelege kann aus 20 bis 200 Eiern bestehen. Nach etwa zwei Monaten verlassen die Suppenschildkrötenbabys ihre schützenden Eihüllen und zwar alle auf einmal. Meist im Schutz der Nacht eilen sie instinktiv so schnell es ihre kurzen Flossen zulassen, ins Wasser. Auf diesem Weg sind sie zahlreichen Feinden ausgesetzt wie Möwen, Echsen, Strandkrabben oder anderen Raubtieren. Die ersten Lebenstage überleben meist nur wenige Tiere eines Geleges, denn auch im Wasser lauern viele Feinde. Diese hohe Verlustquote wird von den Suppenschildkröten durch eine besonders hohe Eierproduktion wett gemacht. Im Laufe eines Lebens legt ein Weibchen rund 3000 Eier.

Die Bezeichnung „Suppenschildkröte“ weist darauf hin, dass diese schönen Meerestiere lediglich nach ihrem Nutzen für den Menschen benannt wurden. In den letzten Jahrhunderten wurde diese Schildkröte so stark bejagt, dass sie heute fast ausgestorben sind. Die Weibchen wurden getötet, wenn sie für die Eiablage das Wasser verließen. Aus Fett und Knorpel wurde die berühmte Schildkrötensuppe für „Feinschmecker“ zubereitet, aber es wurde auch Öl, Leder und das begehrte Schildpatt aus dem Panzer gewonnen. Aber auch die Gelege wurden geplündert, da die Eier angeblich potenzsteigernd wirken. Viele weitere Tiere ließen ihr Leben in den Schleppnetzen der Fischer, wo sie sich verfingen und ertranken. Durch vermehrte Hotelbauten in Strandnähe sind viele Nistplätze der Suppenschildkröte verloren gegangen. Auch die Gewässerverschmutzung in Strandnähe spielt eine große Rolle bei der fast Ausrottung dieser Meerestiere, da großräumige Weidegründe verloren gingen.


Der Handel mit Produkten, die aus Suppenschildkröten gewonnen wurden, ist heute nicht mehr erlaubt. Die bekannten Eiablageplätze werden heute meist überwacht, oft werden auch die Eier vor dem Schlüpfen in Sicherheit gebracht, in Aufzuchtstationen ausgebrütet und die Jungen später sicher im Wasser ausgesetzt.

Es bleibt zu hoffen, dass durch die gezielten Schutzmaßnahmen, hauptsächlich des WWF (Welt Natur Fonds), aber auch anderer Organisationen, die friedfertige Suppenschildkröte gerade noch vor der Ausrottung bewahrt werden kann.