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Guereza
(Colobus)

Den außergewöhnlich hübschen Guereza wurde im wahrsten Sinne des Wortes ihr „Affenpelz“ bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast zum Verhängnis. 

Die Dame von Welt trug aus dem langhaarigen Fell dieser in den südlichen der Sahara bis Äthiopien beheimateten Urwaldbewohner, Mäntel oder Jacken. 

Diese Modeerscheinung führte fast zur Ausrottung dieser Affenart. Da sich der Geschmack der menschlichen Damenwelt zum Glück änderte, haben sich die Bestände der freilebenden Guereza allmählich erholt.


Es gibt verschiedene Guereza-Arten wie den Ostafrikanischen Guereza oder Weißschulter-Stummelaffen, Südlichen Guereza, Angola-Guereza, Schwarzen Guereza oder den Nördlichen Guereza. 

Alle Arten stammen aus verschiedenen Verbreitungsgebieten und variieren in Größe und Aussehen. So besitzt der Schwarze Guereza ein vollständig schwarzes Fell und der Nördliche Guereza eine schwarze Fellfärbung mit weißer Seitenmähne. 

So unterschiedlich diese Arten auch aussehen mögen, gemeinsam haben sie jedoch, dass die Schwanzlänge ungefähr 60% der Gesamtlänge ausmacht, die zwischen 1,15 und 2,20 m schwankt. 

Der wissenschaftliche Name der Guereza kann von dem griechischen Wort „kolobos“ abgeleitet werden, was soviel wie „der Verstümmelte“ bedeutet. Diese Bezeichnung ist nicht von ungefähr, denn der Daumen der Guereza ist stark verkümmert. Dies aber als Verstümmelung zu bezeichnen, wäre nicht richtig, denn bei der Rückbildung des Daumens handelt es sich um eine Anpassung an besondere Lebensumstände. 

Es kann hier also eher von einem entwicklungsgeschichtlichen Fortschritt als von einer Degeneration gesprochen werden. Die somit zu den Stummelaffen zählenden Guereza können nämlich trotz des rückgebildeten Daumens ihre Hände überaus geschickt einsetzen und bekommen auch kleinste Gegenstände ohne Mühe zu fassen.


Guereza leben in verschiedenen Gruppen mit bis zu 12 Tieren. Die Zusammensetzung der Geschlechter kann aber völlig variabel sein. 

Es gibt Trupps mit mehreren Männchen, Weibchen und Jungtieren, oder auch nur mit einem Männchen, welcher seine Führungsposition gegen andere Männchen behaupten konnte. 

Innerhalb der Truppe ist die Rangordnung der übrigen Tiere nicht genau abgestuft. 

Dieser Lebensweise ist es wohl auch zu verdanken, dass kaum Rivalenkämpfe während der Paarungszeit vorkommen. Paarungswillige Tiere sondern sich für ein paar Tage von der restlichen Gruppe ab. 

Die Weibchen sind jedoch in ihrer Partnerwahl nicht wählerisch, denn sie lassen sich von mehreren Männchen nacheinander begatten. 

Nach der Paarung schließen sie sich wieder ihrem Trupp an.

Mit Ablauf einer Tragzeit von etwa einem halben Jahr bringen die Weibchen jeweils ein Jungtier zur Welt. Auch hierzu sondert sich das Weibchen, bewacht von einem Männchen, von der Gruppe ab. 

Nach der Geburt kehrt die Mutter aber unverzüglich in den Schutz der Herde zurück, denn ihr Junges ist von Feinden leicht auszumachen. Anders als die Elterntiere sind die Jungtiere nämlich bis zum Erreichen ihres ersten Lebensjahres völlig weiß. Ab da unterscheiden sie sich nicht mehr von der schwarz-weiß Färbung der erwachsenen Tiere.

Die neu geborenen Guereza klammern sich instinktiv am Bauch der Mutter fest. Dabei greifen sie fest in die langen Flankenhaare, die auch Sichtschutz vor Feinden bieten. 

Sollte eine Flucht jedoch nötig werden, so presst die Mutter ihr Kind noch zusätzlich schützend mit der Hand an ihren Leib. Diese enge Bindung bleibt etwa bis zur 5 Lebenswoche erhalten. Erst dann beginnen die Kleinen ihre Umwelt spielerisch zu erkunden. 

Es werden nicht nur Bäume, Sträucher und die Mutter erklommen, sondern auch andere Weibchen und Männchen, welche dieses Spiel geduldig über sich ergehen lassen. 

Nach einem Jahr wird das Kleine von der Mutter entwöhnt und beginnt eigene Wege zu gehen. 


Guereza ernähren sich überwiegend von Blättern und jungen Trieben. Da diese Nahrung nur schwer verdaulich ist, besitzen sie einen Magen mit drei Kammern, in dem sich Bakterien ansiedeln. Diese sorgen dafür, dass lebensnotwendige Stoffe aus der Nahrung herausgefiltert werden. Es hat den Anschein, als sei ihr Magen ähnlich wie bei den Wiederkäuern entwickelt. 

Trotz ihrer auffallenden schwarz-weißen Färbung sind die Guereza in den Bäumen nur schwer auszumachen. Dieses ist wohl ein ähnlicher Effekt, als wenn Zebras in der Sonne durch ihre schwarz-weiße Streifung am Horizont scheinbar verschwimmen.

Auf dem Weg zu ihren Nahrungs- und Schlafplätzen auf verschiedenen Bäumen müssen die Guereza zuweilen Höhen und Tiefen von bis zu 15 m überwinden. Hier erfüllt ihre weiße Seitenmähne einen besonderen Zweck. 

Wie mit einer Art Fallschirm ausgestattet, überwinden die Guereza mit ihrer Hilfe Gleitsprünge, um von höheren zu tieferen Plätzen zu gelangen. Dazu bringen sie zuerst den Ast, auf dem sie sitzen, zum schwingen, um dann wie mit einem Katapult geschossen in die Höhe zu schnellen. 

Sogleich werden Beine und Arme ausgebreitet, welche zusammen mit dem weißen Mantel aus verlängerten Haaren wie ein Fallschirm wirken und somit den Sturzflug abbremsen. Um genau richtig zu landen, dient der lange buschige Schwanz zusätzlich als Steuerruder.

Die Lebenserwartung der Guereza liegt bei etwa 22 Jahren. 
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Copyright 2004 - überarbeitet mit neuen Fotos 2010 © Tierwissen.de
Text und Fotos: Chawera
Diese wunderbaren Fotos der Guereza durften wir im Allwetterzoo Münster fotografieren und veröffentlichen.
Herzlichen Dank an dieser Stelle!



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