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Gorilla
(Gorilla gorilla)
 

Der Familie der Menschenaffen (Pongidae) sind drei Gattungen zugeordnet, nämlich der Schimpanse, der Orang-Utan und der größte Vertreter dieser drei: der Gorilla, von dem hier die Rede ist. 

Man unterscheidet den Berggorilla, der durch die Veröffentlichungen der Forscherin Dian Fossey eine große Bekanntheit errungen hat und den Flachlandgorilla, der nochmals differenziert wird in Westlicher Flachlandgorilla und Östlicher Flachlandgorilla. 

Alle Arten von Gorillas sind in der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft. 

Vorkommen

Die Heimat der Gorillas sind die Regenwälder Zentralafrikas, im tropischen Äquatorialafrika.
Nur noch geschätzte 400 Tiere der Berggorillas leben in der Grenzregion zwischen Ruanda, Uganda und Zaire, in den bergigen Regionen der Virunga-Vulkane und den Bwindi-Bergen. 
 

Sie wurden erst im Jahr 1902 von dem preussischen Hauptmann Robert von Beringen bei der Erforschung eines Vulkans in Ruanda entdeckt.

Das Vorkommen des Westlichen Tief- oder Flachlandgorillas beschränkt sich auf das Gebiet zwischen den Flüssen Niger und Kongo. Hier leben am Golf von Guinea noch etwa 45.000 Tiere.

Ungefähr 4.000 Östliche Tief- oder Flachlandgorillas gibt es noch in Zaire, sie sind am östlichen Rand des Kongobeckens beheimatet.

Der weltweite Bestand an Gorillas in den Zoos beläuft sich auf etwa 500 Tiere. Es handelt sich bei den Zootieren fast ausschließlich um Westliche Flachlandgorillas.

 
Aussehen

Männliche Gorillas können aufgerichtet bis zu zwei Meter groß sein und ein Gewicht von 250 Kilogramm erreichen. Weibliche Tiere sind deutlich kleiner und leichter (etwa 100 Kilogramm). 
 

 

Das Fell der Westlichen Flachlandgorillas hat eine braungraue Farbe. 

Der typische graue Rückenstreifen (Silberrücken) der männlichen Alttiere zieht sich bis auf die Oberschenkel, während beim Östlichen Flachlandgorilla und beim Berggorilla die Rückenzeichnung wesentlich kleiner und das Fell schwarzgrau gefärbt ist. 

Die ersten hellen Haare der männlichen Silberrücken wachsen etwa im Alter von 10 Jahren.

Berggorillas unterscheiden sich von den Flachlandgorillas durch ihr vergleichsweise langhaariges Fell und ihre etwas kürzeren Arme. Da beim Berggorilla die Großzehe den anderen Zehen nicht gegenübergestellt ist, hat er im Gegensatz zu den Flachlandgorillas keinen Greif- sondern einen sogenannten Gehfuß. Die kräftigen Arme der Gorillas sind länger als ihre Beine. Sowohl die Hände als auch die Füße werden zum Greifen genutzt. Gorillas besitzen wie wir Menschen jeweils 5 Finger an den Händen und 5 Zehen an jedem Fuß. 

Weitere Gemeinsamkeiten, auch mit anderen Menschenaffen sind die nach vorne gerichteten Augen und zwei Brustwarzen.

Fuß und Zehen eines Gorilla
Finger und Hand eines Gorilla
nach vorne gerichtete Augen

Der Kopf des Gorillas wird geprägt durch eine flache Stirn, einem nackten Gesicht mit vorspringendem Kiefer und einer platten Nase. Die Augen liegen häufig unter einem Stirnwulst, der sich mit zunehmendem Alter weiter ausprägt und dem Gorilla ein bedrohliches Aussehen verleitet. So unterschiedlich wie bei uns Menschen die Fingerabdrücke, so sind die Gorillas durch ihre ausgeprägten Nasenfalten und die Form der Nasenflügel individuell differenzierbar. 

Kein Nasenabdruck sieht so aus wie der eines anderen Tieres. 

Das beeindruckende Gebiss des Gorillas mit meist 32 Zähnen wird von den vier mächtigen Eckzähnen beherrscht, die bei den weiblichen Tieren größer sind als bei den männlichen. 

Die Ohrmuscheln sind klein und denen von uns Menschen ähnlich. 

Gorillas haben keinen Schwanz und das Gesäß ist im Gegensatz zu den Tieraffen behaart. 

Das dichte lange Fell zieht sich fast über den gesamten Körper, lediglich Bauch und Brust sind außer dem Gesicht wenig bis gar nicht mit Fell bedeckt. An Kinn, Oberlippe und Wangen befindet sich bei den männlichen Tieren Bartwuchs.

 
Lebensweise

Gorillas leben in Familienverbänden, die aus nur zwei, aber auch aus bis zu 35 Tieren bestehen können. Diese Gruppen setzen sich zusammen aus einem männlichen „Silberrücken“, der die Familie führt und beschützt, einigen erwachsenen weiblichen Tieren sowie Jungtieren in verschiedenen Altersgruppen.
 

 

Tagsüber streifen die Gorillas auf der Suche nach Nahrung bevorzugt an Berghängen und an Flussuferstreifen entlang. Sie lassen sich dabei Zeit und bewältigen insgesamt eine tägliche Strecke von etwa einem Kilometer.

Im Gegensatz zu anderen Affen klettern sie selten auf Bäume, nur wenn sie sich bedroht fühlen oder wenn dort oben etwas besonders Leckeres zu holen ist. Zwischen den Ästen bewegen sie sich aber sehr sicher, meist durch Hangeln. Auf der Nahrungssuche werden immer wieder Pausen eingelegt, die Tiere „sprechen“ miteinander, sie pflegen sich gegenseitig das Fell und die Jungtiere spielen untereinander, aber auch mit den Erwachsenen. 

Bei schönem Wetter rasten die Gorillas gerne in der Sonne und verbringen so bis zu 40 Prozent des Tages. Ebenso ziehen sie bei heftigem Regen und Unwetter nicht weit herum, sondern warten lieber an geschützten Plätzen auf besseres Wetter.

Die Fortbewegung erfolgt für gewöhnlich auf allen vier Füßen, sie richten sich nur kurzzeitig auf zwei Beine auf oder wenn sie aufgeregt sind. Beim Auftreten wird die gesamte Fußsohle benutzt, während bei den Händen nur die Außenseiten der Finger als Stütze dienen. 

Diese grundsätzlich friedliebenden Tiere können aber bei Gefahr sehr schnell sehr wütend werden. Gelegentlich kommt es vor, dass männliche Gorillas fremde Kleinkinder töten. 

Die Verständigung der Gorillas ist sehr vielseitig. Ihre Lautsprache besteht aus brüllenden, knurrenden, heulenden und brummenden Tönen, je nach Stimmungslage. Aber auch eine ausdrucksstarke Mimik und Gestik wird zur Verständigung untereinander eingesetzt. Am bekanntesten ist das typische Brusttrommeln der Männchen, welches als Imponiergehabe gedeutet wird und in Kombination mit lautem Brüllen sehr bedrohlich auf Rivalen wirkt. 
 

Dieses Gebärden kann man schon bei den Kindern im Spiel beobachten. Auch bei der Werbung um die Gunst der weiblichen Tiere imponieren die Männer mit ihrem Brusttrommeln. Bei Verunsicherung und aufgeregter Stimmung kann man dieses Verhalten ebenfalls beobachten. 

Abends sucht sich die Gruppe einen geeigneten, geschützten Ruheplatz und die meisten Tiere bauen sich ein Nest aus Zweigen und Blättern, in dem sie dann die Nacht verbringen. Zumeist wird diese Schlafstelle am Boden errichtet, nur vereinzelt auch auf Bäumen.

Gorillas können ein Alter von bis zu 50 Jahren erreichen.

 

Ernährung
 
 

Obwohl das Gebiss der Gorillas wie das von Raubtieren beeindruckt, ernähren sie sich doch fast ausschließlich von pflanzlicher Nahrung. 

Mit ihren menschenähnlichen Händen greifen sie nach Blättern, Stängeln, Blüten oder Früchten und essen gemächlich. Sie graben gerne in der Erde nach Wurzeln oder Knollen und knabbern auch an Baumrinden oder Ästen. Ihre pflanzliche Kost ist recht abwechslungsreich. 

Neben vielen Kräutern und Gräsern verspeisen sie auch Farne, Kletterpflanzen, Früchte und Laub von Sträuchern und Bäumen. Mit Maden, Schnecken und Insekten decken sie ihren Proteinbedarf.

 
Fortpflanzung

Es gibt keine bestimmte Paarungszeit, Babys werden zu jeder Jahreszeit geboren. Frühestens im Alter von sechs Jahren, meist aber erst mit 10 Jahren, bekommen die weiblichen Gorillas nach einer Tragzeit von 8 ½ bis 9 Monaten ihr erstes Baby. Selten werden auch Zwillinge geboren. 

 
 

Das graurosa farbige Neugeborene ist am Rücken und am Kopf bereits behaart und wiegt etwa 1.800 bis 2.300 Gramm. Die Babys sind trotz offener Augen noch blind und alleine völlig hilflos. Sie werden von ihren Müttern stets getragen und auch die anderen Familienmitglieder dürfen sich den Nachwuchs aus der Nähe ansehen. 

Nach etwa 7 Tagen beginnt bei den Jungen das Sehvermögen und die Haut färbt sich langsam schwarz. 

Mit 9 Wochen fangen sie an, herumzukrabbeln und mit etwa 6 Monaten finden die ersten Laufversuche statt, bei denen die Kleinen von ihren Müttern und Tanten aber sorgsam beaufsichtigt werden. 
 
 
 

Gorillababy Claudio 3 Monate gut behütet in Mama's Hand. 
Foto mit freundlicher Genehmigung aus dem Allwetterzoo Münster. 

Nun nehmen sie auch schon selbst die erste Nahrung zu sich. Die Kindersterblichkeit ist ziemlich hoch. Die Lösung von der Mutter beginnt etwa im Alter von vier Jahren, meist wenn die Mutter das nächste Baby bekommt. Männliche Gorillas verlassen für gewöhnlich die Familie mit der Geschlechtsreife im Alter von etwa 8 bis 9 Jahren, um eine Weile alleine herumzuziehen. Sie versuchen von anderen Gruppen Weibchen abzuwerben, um so ihre eigene Familie zu gründen. Weibliche Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 6 bis 7 Jahren und schließen sich dann gerne anderen Gruppen oder einem einzelnen Männchen an. 


Gorillas heute
 

Wie bereits erwähnt, sind alle Arten von Gorillas stark gefährdet. Sie haben außer dem Menschen keine natürlichen Feinde. In den vergangenen Jahrhunderten wurden die Gorillas aus den verschiedensten Gründen stark bejagt und an den Rand der Ausrottung gebracht. 

Ganze Familien wurden niedergeschlachtet, manchmal um Trophäen oder das Fleisch zu erbeuten, aber oft auch ohne erkennbaren Grund. 

Auch um ein einziges Gorillakind für einen Zoo oder ein Labor zu erwerben, wurde oftmals die komplette Familie ausgelöscht. 

Heute sind diese friedfertigen Riesen geschützt und auch die Wilderei hat endlich abgenommen. Dies ist zu einem Großteil auch der bekannten Gorilla-Forscherin Dian Fossey zu verdanken, die in den sechziger Jahren begann, das Leben der Berggorillas zu erforschen und mittels Büchern und Filmen der Bevölkerung nahezubringen. 1985 wurde sie selbst, vermutlich von Wilderern, ermordet.
 

Die größte Bedrohung für die Gorillas heute ist die schnell voranschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes. Die Bevölkerungsexplosion in Zentralafrika hat zur Folge, dass durch den erhöhten Platzbedarf und auch die Nachfrage nach tropischem Edelholz täglich große Teile des Regenwaldes abgeholzt und anschließend landwirtschaftlich genutzt werden. Der Regenwald aber ist der Lebensraum der Gorillas und natürlich auch unzähliger anderer Lebewesen. 

Schon heute existieren zwar einige Regenwald-Schutzgebiete, die von Rangern überwacht werden, aber für das Überleben der Gorillas müssen noch viele weitere folgen.

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Copyright 04/2005 mit Fotoänderungen in 2008 © Tierwissen.de
Text: Kim Rauen
Fotos: Chawera
Diese wunderbaren Fotos der Gorillas durften wir mit freundlicher Genehmigung im Allwetterzoo Münster
fotografieren und für unsere Internetseite verwenden.
Herzlichen Dank an dieser Stelle!



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