Zuchtmethoden in der Pferdezucht

Wenn man von Zuchtmethoden spricht, so denken hier sicher viele an Begriffe wie Natursprung oder Besamung.

Aber ganz so einfach ist es nicht, denn hinter dem Begriff steht das gezielte Vorgehen eines Züchters um das Zuchtziel „Fohlen“ nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu beeinflussen.




Foto: Westfalen Hengstfohlen

Hier geht es eigentlich nicht um das „wie“ man seine Stute am besten tragend bekommt, sondern setzt viel früher an, bei der Frage „warum“ man züchtet, um dann wieder zu einer ganz anderen „wie“ Frage zu gelangen.

Verwirrend? Ich möchte es gerne erklären...



Die erste Frage lautet also nach dem Warum!

Im Vordergrund steht doch sicher der Wunsch eines jeden Züchters, aus einer bestimmten Stute, einem bestimmten Hengst seiner Wahl, neue Nachkommen mit den gleichen Eigenschaften wie die Elterntiere zu erhalten.


Hier spricht man also von einer Erhaltungszucht, denn das Ziel wird die Beibehaltung des genetischen Potential eines bestimmten Tieres oder einer bestimmten Pferderasse sein. In der heutigen Zeit werden zum Beispiel fast ausgestorbene Pferderassen durch diese Zuchtmethode wieder belebt und die genetische Vielfalt erhalten.



Foto: Konik Stuten mit Fohlen


Manchmal haben aber auch die Elterntiere mit ansonsten guten Veranlagungen (Pedigree, Charakter, Leistungswille) Exterieurmängel, die es durch eine gezielte Anpaarung zu verbessern gilt, damit dieser Mangel bei der nächsten Generation ausgeglichen werden kann.

Dieses wird dann als Verbesserungszucht bezeichnet, da sich hier diese Verbesserung auf bestimmte Merkmale ausrichtet.

Hier stellt sich das gewünschte Zuchtziel eher als bei der Erhaltungszucht ein, da nicht zu viele Eigenschaften zu beachten sind, die aufeinander abgestimmt sein müssen.

Foto: Holsteiner Hengst


Somit haben wir erklärt, warum überhaupt gezüchtet wird, aber nun stellt sich gleich die Frage nach dem „wie“ erreiche ich eines der zuvor beschriebenen Zuchtziele am besten. Aber auch hier sind wir nicht bei der Frage „wie“ man seine Stute am besten tragend bekommt, sondern noch immer Wie eines der zuvor beschriebenen Zuchtziele am besten realisiert werden kann.

Dazu gibt es die verschiedensten Zuchtmethoden, welche immer in der Entscheidung verantwortungsvoller Züchter liegen sollten, denn einmal mehr gedacht - vielleicht einmal weniger Fehler gemacht! Fehler, die sich später verheerend auf ein späteres Lebewesen (Fohlen) auswirken könnten.


Die Reinzucht

Die Zucht innerhalb einer Pferderasse wird traditionell als „Reinzucht“ verstanden. Hier entstammen die angepaarten Pferde derselben Rasse oder demselben Zuchtbuch. Sie weisen also alle gewünschten Merkmale und Eigenschaften der vorgesehenen Zuchtprogramme auf. In klassischer Form wäre Reinzucht also eine Selektion innerhalb einer über zahlreiche Generationen in sich geschlossenen Zuchtpopulation. Diese Zuchtmethode ist als sicherste zu erachten, weil sie über gefestigte Erbanlagen (Eigenschaften) verfügt, die nur in einer bestimmten Abweichung auftreten, hat aber zum Nachteil dass sich so sicher nicht weitere herausragende Leistungssteigerungen erzielen lassen. Die Grenzen sind einfach zu fest an festgelegten Anlagen ausgerichtet.


Heute gibt es neben dem Islandpferd auf Island nur wenige andere wahre Reinzuchten. Dazu zählen der Vollblutaraber, der eine der ältesten durch systematische Reinzucht entstandenen Pferderassen ist und der englische Vollblüter. Zum Zuchteinsatz dürfen nur Tiere mit nachgewiesener reiner Abstammung aus diesen Rassen Verwendung finden.

Foto: Islandpferd


Die Kreuzungszucht

Bei dieser Zuchtmethode werden Elterntiere der verschiedensten Pferderassen miteinander angepaart. Hier sollte aber fein unterschieden werden in Zufallprodukte (wobei man hier ja eigentlich auch nicht von züchten, sondern von vermehren reden sollte) und gezielte Anpaarungen. Diese so genannten Veredlungs- oder Kombinationskreuzungen sind kurzfristige Einkreuzungen anderer Pferderassen als die der Elterntiere, meistens jedoch nicht auf ein Elternpaar beschränkt, sondern finden auf einer ganzen Zuchtpopulation Anwendung. Hier können die geschätzten Eigenschaften der einzukreuzenden Pferderasse mit der zu verbessernden ursprünglichen Pferderasse kombiniert werden.

Die meisten unserer heutigen Pferderassen sind durch diese Zuchtmethode entstanden und entsprechend dem jeweiligen Zuchtziel dank dieser gezielten Selektion typmäßig geprägt worden.

Als am bedeutendsten kann wohl die Veredelung der Warmblutzucht durch die Vollblüter genannt werden. Denn betrachtet man den Tatbestand, dass Mitte des 18. Jahrhunderts im Landesgestüt Celle von etwa 200 Landesbeschälern etwa 70 Vollbluthengste waren, so wird klar, welchen Einfluss die Vollblutzucht auf die Pferderasse Hannoveraner genommen hat.

Foto: Hanoveraner


Der amerikanische Traber ist gleich aus einer Kreuzung von fünf verschiedenen Rassen entstanden. Hier spielten Araber, Berber, Vollblut, Norfolk und Passgänger verschiedenster anderer Rassen eine Rolle. Eine weitere Pferderasse entstand durch die Veredelung des Ostfriesischen Pferdes (Alt-Oldenburger) zum heutigen Oldenburger. Das Besondere - beide "Rassen" gibt es heute nebeneinander. In der Neuzeit lässt sich dann die Veredelung der Isländer durch Paso Peruanos zu den Aegidienbergern nennen. Es werden hier sogar immer wieder Diskussionen geführt, ob diese neue Rasse weiter veredelt werden soll.



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Zuchtmethode der Zukunft? – Die Genomanalyse