Das Shetlandpony und seine nahen Verwandten

Als eine der ältesten Pferderassen ist das Shetlandpony bis in die heutige Zeit nahezu unverändert geblieben.

Seinen Ursprung nahm dieses äußerst widerstandsfähige Pony auf den Shetland-Inseln, wo es früher in der Landwirtschaft eingesetzt wurde.

Aufgrund seiner geringen Größe, kam es später in Großbritannien für lange Zeit als Grubenpferde im Bergbau zum Einsatz.

Kopfportrait: American Miniature Horse

Ursprung und Geschichte der Shetlandpony

Vermutlich gehen das Shetlandpony auf die eiszeitlichen Tundrenponys zurück. Die tatsächliche Herkunft lässt sich nämlich nur erahnen, es gibt verschiedene Theorien.

Eine Variante geht davon aus, das die Ponys ursprünglich über die zugefrorene Nordsee während der Eiszeit die britischen Inseln erreichten. Dafür spräche, das die Orkey-Inseln und das schottische Festland über eine solche Landbrücke erreichbar gewesen sind – dagegen spräche - nicht jedoch die Shetlandinseln. Dieses könnte nur durch Menschen geschehen sein, die mit Schiffen die Nordsee durch fuhren. In Frage kämen hier die Pikten, die vor Christi Geburt die Inseln besiedelten. Es gibt hier sogar als Beweis Ähnlichkeiten in alt steinzeitlichen Höhlenmalereien in Altamira und in der Dordogne, auf denen sich leicht Shetlandponys erkennen lassen.

Somit wäre die zweite Theorie durch (Menschliche Einflussnahme) doch wahrscheinlicher und erklärbarer.

Ursprünglich mögen die Urväter unserer heutigen Shetlandponys größer gewesen sein. Doch die rauhen Lebensbedingungen auf den Shetland-Inseln mit seinem extrem kargen Futterangebot mögen für die sogenannte Verzwergung dieser Pferderasse verantwortlich sein.

Es gibt hier ebenfalls diverse Theorien, so auch, das Shetlandponys eine kleinere Variante der Exmoorpony sind. Diese Möglichkeit besteht tatsächlich, denn eine Wanderung der Ponys von Süden nach Norden in die rauhen Lebensbedingungen der Inseln, wird sicher auch auf die Größe der Ponys Einfluss genommen haben und festigte die genetische Verankerung des Merkmal „Größe“. Heute kann man sagen, diese Rasse ist nicht das Ergebnis einer Speziellen Pferdezucht – sondern eher – einer natürlichen Verzwergung – was ihrem harmonischen Körperbau Rechnung trägt.

Die Einwohner der Inseln hatten die Ponys für alle Arten von Arbeit verwendet. Dabei war das was ihnen abverlangt wurde für die Kleinen ein wahrer Kraftakt. Sie bestand im Tragen und Ziehen von schweren Lasten, häufig dienten sie auch als Reittier oder fanden in der Landwirtschaft ihren Einsatz. Wie meist üblich zu jener Zeit, wurden die Ponys nach getaner Arbeit einfach sich selber überlassen und lebten von dem was die Natur für sie übrig hatte. In dem kalten, baumlosen und ungeschützten Land war das reichlich wenig. So machten sie aus der Not eine Tugend, und holten sich was sie brauchten aus dem Meer – angeschwemmter Seetang wurde eine weitere Hauptnahrungsquelle.

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Ponys auf das britische Festland. Schnell erkannte man das Potential der kleinen Starken. Trotz seiner geringen Größe, ist es das kräftigste Pferd aller bekannten Pferderassen. Angeblich kann es das doppelte seines eigenen Gewichtes ziehen, was ein Kaltblüter nicht kann. Aus diesen Gründen setzten die Engländer sie in Bleibergwerken oder in Kohlebergwerken als Grubenponys ein.

Leider ging dieser Boom so weit, das von den Shetland-Inseln die besten Tiere den Weg in die Gruben nahmen und dieser Rasse wichtiges Genmaterial beraubt wurde.

Zum Glück blieb die Rasse bis fast zum Ende des 19. Jahrhunderts vom züchterischem Einfluss des Menschen unberührt. Einige Versuche, eine Veränderung der Shetlandpony mit der Kreuzung von Hengsten anderer Rassen wie Norweger, Araber oder Highlandponys verliefen ohne weitere Auswirkungen im Sande. Als Züchterische Geburtsstunde kann das Jahr 1870 benannt werden. In diesem Jahr gründete Lord Londonderry in Bressay und Noss Gestüte und trug erstmalig durch selektive Zucht dazu bei, ein gutes Shetlandpony zu züchten. Das Stutbuch wurde jedoch erst zwanzig Jahre später im Jahre 1890 begründet und gilt somit als das älteste Verzeichnis aller Moor- bzw. Bergpony Rassen Englands.

Stammväter dieser ersten Zeit seit Rassengründung waren: Prince of Thule sowie Jack mit seinen Söhnen Lord of the Isles, Laird of Noss, Odin. Zahlreiche Nachkommen führen sie bis heute in ihren Ahnentafeln.

Seit dem Jahre 1971 gilt das Zuchtbuch des Shetlandpony als geschlossen und wird seither in Reinzucht weiter gezüchtet

Folgt man der Literatur, so wurde das erste Shetlandpony 1900 nach Deutschland eingeführt. Hier fand es unter anderem auch als Zirkuspony ein breites Publikum und wird noch bis heute als solches gerne verwendet. Aus einer anfänglichen kleinen Pferdezucht fand das Shetlandpony in Deutschland bald eine große Verbreitung. Im Jahre 1942 wurde auch bei uns ein Stutbuch gegründet.

Aussehen der Shetlandpony

Größe:

Durchschnittlich 95 cm, max 104 cm sollte es nicht überschreiten

Farben und Abzeichen:

Es kommen alle Farben vor, einschließlich Plattenschecken. Tigerschecken werden nicht mehr ins Stutbuch eingetragen. Am häufigsten lassen sich Braune, Rappen und Schecken finden, nicht selten auch Schimmel – seltener sind Füchse, Falben oder Mausgraue.
Weiße Abzeichen an Kopf und Beinen sind in jedem Umfang zugelassen.

Exterieur: 

Langer, doch trockener Kopf, kurzer, starker Hals und gute, lange Schulter. Massiver Rumpf von guter Tiefe und Breite, mit wenig Widerrist, doch kräftiger, runder Kruppe. Enorm stabile, kurze Beine mit kleinen harten Hufen, kleiner Kopf mit großen Augen, kleinen Ohren und offenen Nüstern, dichtes dickes Winterfell, feines und glattes Sommerfell, viel Langhaar und einem Schweif der oft bis zum Boden reicht

Aktion:

Durch kurze Beine etwas trippelnde Aktion mit großer Ausdauer, oftmals etwas hastiger und flacher Galopp.

Eigenschaften:

Charakterstark (wenn nicht durch unsachgemässe Handhabung verdorben) leicht auszubilden, trittsicher und anpassungsfähig

Verwendung

Aufgrund seiner Größe hat sich das Shetlandpony in erster Linie als ein Kinderreitpony entwickelt. Leider werden viele von ihnen auch als Spielzeugersatz gehalten und durch unbeaufsichtigte Kinderhand verdorben. Auch reiterlich können diese kleinen Pferde zu einem Problem werden – werden sie doch zumeist wegen dem Gewicht nicht durch erfahrene Erwachsene – sondern leider viel zu oft schlecht von unerfahrenen Kindern und Jugendlichen ausgebildet. Sie können so behandelt, extrem stur und dickköpfig werden. Ein Grund, warum man ihnen (leider zu unrecht!) oft ein schwieriges Temperament nachsagt. Richtig ausgebildet und gut behandelt, ergeben sie wunderbare Reitponys für kleine Kinder. Für Erwachsene eignen sie sich gut für den Fahrsport.


Shetlandpony im Speziellen oder auch, wie neue Rassen entstehen:
Minishetlandpony

Es unterscheidet sich vom Shetlandpony nur im Stockmaß, denn es hat eine maximale Höhe von 87 cm. Sein eleganter Körperbau ist meist gedrungen.
Sie wurden unter anderem in der königlichen Zucht von Königin Victoria (1819-1901) auf ihre heutige Form gezüchtet. In  Abstammungen lassen sich die ältesten Zuchthengste der Minishetlandponys bis 1871 zurückverfolgen.

Mitte des 18. Jh. bis Anfang des 19. Jh. wurden diese Pferdchen gerade wegen ihrer geringen Größe in Schottland und England noch als Zugpferde in Bergwerken unter Tage eingesetzt. Aber auch die Stärke und robuste Art dieser Pferde waren hierfür ausschlaggebend. Heute hingegen werden diese Pferde als Fahrpferd für lange Distanzen und als Kinderreitpferd eingesetzt. 


American Miniature Horse

Im Stockmaß unterscheidet sich das in den USA beheimatete Pony kaum vom Minishetlandpony. Quellen belegen, das die Wurzeln des Miniature Horse sich an den Königshöfen im Europa des 17. Jahrhunderts befinden, wo elegante Pferdchen als Spielgefährten für die Königskinder gehalten und gezüchtet wurden. Als Kriege den Bestand dieser Minis auf einige wenige dezimierten, konnten ein paar von ihnen nach Amerika gerettet werden.

Die Amerikaner züchteten systematisch unter Einkreuzung von Falabellas, Hackney Ponys und Shetland Ponys weiter.

Das erklärte Zuchtziel beim American Miniature Horse lautet: Ein Großpferd in Miniatur!


Deutsche Classic-Pony

Das Deutsche Classic-Pony ist ein Shetlandpony abstammendes Pony im Vollbluttyp.
Anders als das Shetlandpony, kann es jedoch eine Größe von bis zu 112 cm erreichen.

Entstanden ist diese eigenständige Ponyrasse aus dem Umstand, das die im 19. Jahrhundert von den Shetlands importieren Ponys zwar schön und klein waren, sich jedoch nicht unbedingt als gutes Reitpferd einsetzen ließen. So ging man eigene Wege und züchtete im Laufe der Jahre einen eleganteren Typ, der auch als Reit-, Show- und Fahrpony hervorragende Verwendung fand. 1888 entstand dann offiziell das "American Classic-Shetland". Das erste Stutbuch erschien 1891. In Deutschland fanden diese feiner gezüchteten Verwandten des Shetlandpony gleich Anhänger. Auch hier entwickelte sich Nachzuchten. Zu Problemen kam es jedoch, als diese in das britische Mutterstutbuch der Shetlandpony eingetragen werden sollten, denn seit dem Jahr 2000 wurden Tiere aus amerikanischen Blutlinien nicht mehr anerkannt. Sie waren einfach zu „modern“ geworden. Kein Züchter wollte seine Tiere jedoch als "Partbred-Shetlandponys" (Mischblut) eintragen lassen und so entstand 2000 eine neue Rasse, das „ Deutsche Classic-Pony“.

Seit dem handelt es sich um eine eigenständige Rasse, deren Standards von deutschen Züchtern bestimmt werden.

Zuchtziel ist ein robutes Pony, das trotz seines modernen Erscheinungsbilds noch bestens für die Robusthaltung geeignet ist.