Das Exmoorpony

Mit ihrer besonderen Robustheit zählen die Exmoorponys zu den wenigen noch lebenden "richtigen Wildpferden" unserer Erde.

In Südengland leben bis in unsere Tage, abgeschieden in der Unwirtlichkeit der Hochebene von Exmoor, einige Herden von nahezu wilden Ponys.

Das Exmoorpony zählt zu den seltensten Pferderassen überhaupt und ist in Deutschland eine besondere Seltenheit.

Ursprung und Geschichte des Exmoorpony

Beim Exmoorpony handelt es sich um eine Primitivrasse unter den Pferden, denn es besitzt viele ursprüngliche Merkmale der Wildpferde und entstammt nicht aus frei laufenden Herden aus ausgewilderten Hauspferden. Ein Indiz, dass seine Vorfahren die westeuropäischen eiszeitlichen Wildpferde zu sehen sind, belegen Knochenfunde und frühe Höhlenmalereien. Genanalysen sowie Messungen der Knochendichte und Knochenbeschaffenheit brachten weitere Übereinstimmungen.

Das Exmoorpony stammt ursprünglich aus Exmoor im Süd-Westen von England. Theorien zufolge gelangten die Pferdeherden der Eiszeit mit den großen Süd-Nordwanderungen nach England, was zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Festland verbunden war. Auf ihren Streifzügen fanden die Herden auch ihren Weg nach Exmoor, zwischen Devon und Sommerset.

In dieser hügeligen, kaum bewirtschaftbaren Moor- und Heidelandschaft konnten sich die Ponys mit ihrer geringen Körpergröße von 120-130 cm gut in den zahlreichen Einbuchtungen und Mulden des Exmoor verstecken. So fanden sie auch Schutz vor Feinden wie dem Steinzeitmenschen. Dieser sah in den Ponys noch nicht ein Nutztier, sondern eine Nahrungsquelle was es zu bejagen galt.

Die natürliche Schutzfunktion der Moore, ihre geringe Körpergröße die es ihnen ermöglichte sich scheinbar unsichtbar zu machen, wurde eine Voraussetzung geschaffen dass sich die Ponys seit Jahrtausenden ohne menschliche Einflussnahme entwickeln konnten.

Erste schriftliche Hinweise auf wilde oder frei lebende Pferde (equi silvatici) findet man im Jahre 1086 im so genannten "Domesday Book" (Reichsgrundbuch) in dem Wilhelm der Eroberer seine britischen Untertanen eintragen ließ. Wie zuvor vor den Steinzeitmenschen hielten die Moore in den folgenden Jahrhunderten weitere Eroberer davon ab, in das wilde freie Leben der Exmoorpony einzugreifen. Vereinzelte, halbherzige Versuche andere Pferderassen einzukreuzen, wurden auf natürliche Weise von der Natur wieder heraus selektiert. Die Kreuzungszuchten schafften es einfach nicht im Moor zu überleben.

Der zweite Weltkrieg war fast an der Ausrottung des Exmoorponys schuld. Das Exmoor wurde zum Manövergebiet erklärt und die Soldaten erkannten nicht die Besonderheit der Gebirgsponys. Sie übten an ihnen ihre Treffsicherheit im Gefecht oder stillten ihren Hunger mit ihnen, so oder so, es blieb den Ponys kaum ein Hauch einer Chance. Am Ende blieben nur etwa 50 Tiere von Bauern versteckte und gerettete Ponys übrig, von denen die heutige Exmoorponyrasse abstammt.



Seit 1921 wird die Zucht des Exmoorpony unter der Überwachung der britischen „Exmoor Pony Society“ planmäßig geführt. Hierbei entscheidend sind und waren, die Qualität und der Rassentyp der Tiere. Dies wird erreicht, indem sie strickt alle Reitponyeigenschaften ablehnen und auf die Erhaltung eines möglichst ursprünglichen Ponies bestehen.

Das Stutbuch gilt seit 1963 geschlossen und seither wird Reinzucht betrieben. Vertreter der „Exmoor Pony Society“ besuchen in regelmäßigen jährlichen Abständen die auf dem Festland lebenden Exmoorponyzüchter. Nur diese Delegation bestimmt, wer in das britische Stutbuch aufgenommen wird und welches Fohlen einen rauten förmigen Brand mit Herden- und Lebensnummer tragen darf.


In Deutschland wurde 1995 die „Deutsche Exmoor-Pony-Gesellschaft“gegründet, welche aber unter strenger Aufsicht der britischen „Exmoor Pony Society“ steht so das gewährleistet wird, das auch hier die typischen Exmoor-Merkmale erhalten bleiben.

Aussehen der Exmoorpony

Größe:

120 bis 130 cm

Farben und Abzeichen:

Brauner, Mausfalbe, Dunkelbrauner. Alle Exmoorpony haben ein Mehlmaul, rund um ihre Augen findet man eine helle Umrandungen. Ihre Bäuche sind oftmals hell sowie ihre Schenkelinnenseiten. Weiße Abzeichen an welchen stellen auch immer, sind verboten.

Exterieur: 

Breiter und tief angesetzter Hals, Kopf mit weiten Nüstern und breiter Stirn, weit außeinanderliegende Augen, kleine, spitze und sehr bewegliche Ohren, kräftige und kurze Röhrbeine, breite und tiefe Brust mit schräger Schulter, mittellanger Rücken mit kräftiger Nierenpartie, kleine, dunkle und feste Hufe

Aktion:

Freie und raumgreifende Bewegungen mit beachtlichem Springtalent

Eigenschaften:

gutmütig, Exmoorponys sind ausgesprochen intelligenten Persönlichkeiten die ihre Umgebung immer genau wahrnehmen. Sie sind menschenbezogen, arbeitswillig und eignen sich bei artgerechter Haltung als kinderliebe und nervenstarke Ponys mit einem ausgeprägten Sozialverhalten.

Besonderheiten des Exmoorpony

Bei keiner anderen Pferderasse lassen sich die Besonderheiten von „richtigen Wildpferden“ so gut erkennen wie beim Exmoorpony. Das Klima und die Einsamkeit der Moore haben sein Aussehen, seine Widerstandskraft sowie sein Verhalten in unglaublicher weise geprägt und waren die beste Garantie um im rauhen Exmoor bis heute zu bestehen.

  • Körpergröße:
    Ihre geringe Körpergröße sorgte dafür, das man sie nicht so leicht entdecken konnte und sie Verstecke im Exmoor fanden.

  • Augen:
    Durch eine sehr breite Stirn liegen die Augen weit auseinander gelegen. So konnten sie jede nahende Gefahr in weiter Ferne bereits frühzeitig erkennen. Zum Schutz befindet sich über den Augen eine kleine Ausbuchtung im Schädelknochen um Wasser oder Schnee von empfindlichen Bereichen weg zu leiten.

  • Ohren:
    Sie sind klein, dick und flauschig und halten auch hier durch spezielle Haarwirbel das Regenwasser oder Wind in den zugigen Hügeln von den Ohrinnenräumen fern.

  • Zähne:
    Sie besitzen kräftige Kiefer mit großen Zähnen was es ihnen erlaubt, selbst aus der kargen und harten Vegetation die Pflanzen aus ihrer festen Verwurzelung zu rupfen. Sie sind in der Lage, selbst härteste Gräser und sogar Gehölze zu zerbeißen.

  • Körper:
    Das Exmoorpony fällt durch seine besonders muskulöse Hinterhand auf. Zusammen mit dem kurzen kräftigen Rücken können sie selbst extremste Steigungen in den Berg hängen rasch überwinden und kommen zur Not auch ohne Beinbrüche schnell wieder herunter. (In der Literatur findet man zuweilen auch hinweise, das sie schon mal den Berg auf ihren Hintern herunter rutschen sollen!). Der Schweif befindet sich tief angesetzt unter einer „Schweifgrube“ so das Wasser und Schnee problemlos vom empfindlichen Genitalbereich abgeleitet werden. In ihrer breiten Brust findet eine große Lunge mit ausreichend Volumen Platz um bei Gefahr möglichst lange die Flucht antreten zu können. Der weite Rumpfumfang macht bei diesen kleinen Tieren Sinn, denn er ermöglicht lange Därme um aus dem kargen Futter über die Menge ausreichend Nährstoffe ziehen zu können.

  • Beine und Hufe:
    Ihre kräftigen, kurzen Röhrbeine sowie die besonders harten, kräftigen Hufe garantieren eine besondere Trittsicherheit im unwegsamen Gelände.

  • Fell:
    Die Fellzeichnung des Exmoorpony ähnelt in vielen Teilen den anderen wild lebenden Tieren ihres Lebensraums. Feinde können sie so schwer zwischen den Ginstersträuchern und den trockenen Heidegräsern ausmachen. Im Gegensatz zu anderen Ponyrassen mit wolligem dicken Fell, ist ihr Fell elastisch abstehend und rauh. Das Winterfell mit dichtem Unterhaar und langem Oberhaar (zwei Schichtenprinzip) schützt das Pony vor Wind, Regen oder Kälte. Es lässt die Wärme nicht nach außen sowie keine Nässe nach innen dringen was vor Unterkühlung schützt. Die korrekte Fellbildung des Deckhaars leitet den Regen ab, ist bei Schnee undurchlässig. Diese Haarwirbel sorgen auch dafür das sich der Schnee auf dem Deckhaar verfängt, nicht gleich schmilzt und somit in die Unterschicht gelangt. Das Sommerfell ist kurz und hart mit einem besonders schönen Kupferglanz.

Zukunftsperspektiven:

Heute ist das Exmoor mit einer Gesamtfläche von etwa 686 km² ein Naturschutzgebiet. In ihm leben jedoch nur auf einem kleinen Teil (max 10km²) Exmoorpony in verschieden große Herden von insgesamt nicht mehr als 200 Tieren. Der Bestand muss bewusst klein gehalten werden, da dieses Gebiet nicht mehr Tiere verkraften würde um auch länger in seiner ursprünglichen Landschaft bestehen zu können. Seit 1980 wurden zwei Herden etabliert, eine auf Haddon Hill und eine im Exmoor Forest.

Der Bestand an Exmoorpony ist und bleibt sehr gering. Die Rasse zählt bis heute zu den gefährdeten Pferderassen und weist den Status kritisch aus. Sie sind von der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.“ in die rote Liste der vom Aussterben bedrohten Rassen aufgenommen worden. Man nimmt an das Weltweit weniger als tausend reine Exmoorpony leben, doch es gibt Hoffnung!

Wegen ihres merkwürdigen Aussehens, fanden die Exmoorpony zunächst keine Liebhaber unter den Pferdefreunden. Spät erkannte man ihren guten Charakter sowie die ihm eigenen Besonderheiten. Auf britischen Ausstellungen ist er heute gern gesehen und auch ihre Robustheit und Trittsicherheit macht sie zum idealen Trekingbegleiter.

Inzwischen wurden sie selbst in Deutschland als die idealen Landschaftspfleger entdeckt. So können sie aufgrund ihrer Herkunft, ihrer guten Konstitution, ihrer Genügsamkeit und ihres hervorragenden Freßverhaltens (alles muss wech was fressbar ist!) in halb wilder Herdenhaltung ihren Dienst verrichten. Hier finden sie ihre Berechtigung und auch, Platz um ihre Art zu erhalten.

Verwendung

Obwohl sie nicht sehr groß sind, können sie bei gutem Training durchaus in der Lage sein, selbst kleine und nicht zu schwere Erwachsene zu tragen. Ansonsten sind sie für jugendliche Reiter (nicht Anfänger) das ideale Freizeitpony, denn aufgrund ihrer Intelligenz wissen sie diese doch gut einzusetzen wenn sie mal „was nicht möchten“. So sind sie in einem Moment recht eigensinnig nur um jedoch bei anderer Gelegenheit in überraschender Weise reaktionsschnell zu reagieren.
Das Exmoorpony eignet sich sowohl zum Freizeitpartner in allen Reitsportdisziplinen, für den Fahrsport, zum Voltigieren oder auch zum Therapiepferd für körperlich- bzw. seelische Probleme. Als Therapiepferde für Seelische Erkrankungen sind sie aufgrund ihrer noch unveränderten Instinkte des nicht vom Menschen geprägten Wildpferdes sehr gut geeignet. Sie sind sehr empfänglich auf Körpersprache, reagieren ohne zu zögern auf menschliche Körpersignale und können so helfen ein Verständnis des erkrankten für sein eigenes Verhalten zu finden.

In ihrer Heimat ursprünglich als Arbeitspferd der einheimischen Bauern eingesetzt, findet es heute bei der Jagt im Moor als Tragtier seinen Einsatz.