Dülmener Wildpferde

Die Dülmener Wildpferde sind die letzten in Deutschland vorkommenden Wildpferde, allerdings handelt es sich im zoologischen Sinne bei den Dülmenern Wildpferden nicht mehr um reine Wildpferde. Durch jahrhundertelange Einkreuzungen der verschiedensten Pferderassen bildeten sich neue Erbmerkmale als Zeichen der Domestikation, wie z.B. Hängemähne, Stirnschopf, unterschiedliche Farben und teilweise sogar weiße Abzeichen.





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Ursprung der Dülmener Wildpferde

Erstmals im Jahre 1316 wurden die Pferde urkundlich erwähnt. Bis zum späten Mittelalter zogen die Dülmener Wildlinge frei durch fruchtbares Moorland in Nordwestdeutschland. Dann wurde auch hier der Platz zu eng. Durch die ständig steigende Bewirtschaftung des Landes durch den Menschen konnten die Pferde ihren natürlichen Lebensraum nicht mehr behaupten.

Kurz bevor die Rasse dem Aussterben zum Opfer fallen konnte, nahm sich der Herzog Alfred von Croy den Tieren an. Im Jahr 1847 ließ er 20 der "Merfelderbrücher", wie die Dülmener Wildpferde damals, bezogen auf das Gebiet des Merfelder Bruchs, genannt wurden, einfangen und stellte ihnen auf seinem Grundbesitz ein Reservat zur Verfügung.

Die Pferde vermehrten sich sehr gut, so dass die sogenannte Wildbahn immer wieder vergrößert wurde und heute eine Gesamtfläche von 3,5 qkm umfasst. In diesem waldreichen, eingezäunten Gebiet lebt die heute ca. 300 Tiere umfassende Herde relativ natürlich ohne menschliche Eingriffe, mit Ausnahme einer Zufütterung von Heu im Winter. Ohne Tierarzt, Hufschmied und ohne menschliche Pflege überleben nur die stärksten und robustesten der Pferde.

Diese natürliche Auslese hat eine besonders zähe, gesunde und anspruchslose Ponyrasse bewirkt. Die Herde in der Wildbahn teilt sich auf in einzelne Familienverbände mit je 8 bis 20 Pferden, die jeweils von einer Leitstute geführt werden. Von Mai bis Oktober werden ein bis zwei Deckhengste in die Herde eingebracht, die im Turnus von zwei bis drei Jahren wieder gewechselt werden, um Inzucht zu vermeiden. Als Deckhengste wurden in den letzten Jahrzehnten Vertreter der ursprünglichen Robustrassen wie Bosniaken, Mongolen, Exmoorponys und gerade in letzter Zeit hauptsächlich Koniks eingesetzt.

Die heutige Zucht wurde im wesentlichen von dem Konikhengst Nugat XII geprägt, der von 1957 bis 1963 in der Herde lebte und als Zuchtergebnis die ursprünglich braunfalbe Färbung der Tiere durch eine mausgraue Farbe größtenteils überdeckte.

Eine besondere Attraktion ist alljährlich am letzten Samstag im Mai der traditionelle Wildpferdefang, den es seit 1907 gibt.  Viele tausend Besucher strömen dann in das Naturschutzgebiet und sehen zu, wie die einjährigen Hengste per Hand (!) und ohne Hilfsmittel aus der etwa 350-köpfigen Herde herausgefangen werden. Die Jährlinge werden anschließend verkauft oder versteigert.

Die Aussortierung der jungen Hengste ist wichtig, um Inzucht zu vermeiden. 

Auch die Deckhengste leben lediglich in der Zeit von Mai bis September bei der Herde, um die Geburtstermine der Fohlen zu steuern.

In früheren Zeiten wurden auch vereinzelt Stuten in private Hände abgegeben. Diese bildeten die Grundlage für die Westfälische Reitponyzucht und begründeten eine eigene Zucht der Dülmener Wildpferde außerhalb des Meerfelder Bruchs - mit einer Besonderheit:  Die so gezogenen Pferde dürfen nicht als Original Dülmener Wildpferd bezeichnet werden, sondern werden als Dülmener eingetragen. Nur Pferde aus dem Besitz des Herzog von Croy (Wildbahn) dürfen als Dülmener Wildpferde bezeichnet werden. Inzwischen ist dieser Name geschützt.

Aussehen der Dülmener Wildpferde

Größe:

125 - 135 cm

Farben und Abzeichen:

Dunkelbraune mit Mehlmaul, Falben in allen Schattierungen von beige über grau bis braun mit Wildzeichnungen: schwarze Ohrspitzen, Aalstrich, Zebrastreifen an den Beinen. Selten weiße Abzeichen (nicht erwünscht)

Exterieur: 

Rechteckformat, leicht abfallende Kruppe, gut bemuskelter Rücken, wenig Widerrist, breite Brust, kräftiger mittellanger Hals, oft mit Unterhals, hübscher Kopf mit großen Augen, kleine Ohren, schräge Schulter, klare trockene Beine mit kleinen harten Hufen

Aktion:

raumgreifend, taktrein, elastisch, nicht zu flach, energischer Schub aus der Hinterhand

Eigenschaften:

gutmütig, ausgeglichen, gelehrig, robust, ausdauernd, sehr guter Futterverwerter, langlebig
Robusthaltung möglich, möglichst Offenstall, ganzjährig Weide, im Herdenverband

Verwendung

Während die kleinen Pferde in vergangenen Jahrhunderten oft als Grubenponys unter Tage verwendet wurden, werden die Dülmener Wildpferde heute als Reit- und Familienpferd eingesetzt. In fast allen Bereichen des Reit- und Fahrsportes einsetzbar, für nicht zu schwere Reiter, ist es auch ein verläßliches Kinderreitpferd.


Dülmener Wildpferde sollten nicht zu früh im Sport gefordert werden, da sie Spätentwickler sind und das Wachstum sich bis zum 6. Lebensjahr hinziehen kann.

Von der Wildbahn zum Dressurviereck

Ein ganz besonderes Dülmener Wildpferd ist wohl Pinocchio, von allen nur liebevoll „Pino“ gerufen. Er wurde von Britta Becker am 27.05.1995 beim Wildpferdefang im Merfelder Bruch (bei Dülmen) als wild geborener und vormals wildlebender Jährling während einer der Auktionen ersteigert.

Durch sein doppeltes Winter- und noch teilweise Fohlenfell, sah er damals sehr Zottelig aus, was Britta Becker aber nicht störte, sollte er doch „nur“ als Weidekumpel für ihre Stute fungieren.

Schon nach einer Woche vertraute der kleine Wildfang seiner Besitzerin und ließ sich überall anfassen. Er hatte ein wunderbares Leben als Beistellpferd – er war gut verträglich mit anderen Pferden, war sehr robust und genügsam – eben genau das was Britta Becker sich vorstellte. Um mit Freunden kleinere Ausritte gemeinsam in die Umgebung machen zu können, wurde Pinocchio, wenn auch spät, vorsichtig angeritten. Als Jugendliche lernte ihn dann Jana kennen. Die beiden waren füreinander geschaffen und bekamen von nun an regelmäßig Reitunterricht. Einige Zeit später kamen die ersten Freizeitreiterturniere die mit Traumnoten von 8.0 sehr bald erfolgreich waren. Ab dem Jahre 2002, Pinocchio war da also bereits 7 Jahre, ging es mit echten Turnierstarts auf E- und A-Niveau los. Nur zwei Jahre weiter ging das ehemals frei geborene Wildpferd seine erste L-Dressurprüfung mit Platzierungen.

Im Jahre 2011 hat es Pinocchio bereits im Training zum M-Niveau geschafft. Die fliegenden Galoppwechsel sitzen und er traversiert sowohl im Trab als auch im Galopp. Wer nun meint für diese Leistungen hätte er jeden Tag trainieren müssen fehlt – auch heute noch – ist er Beistellpferd und wird nur etwa 4 Tage pro Woche geritten.

Jana und Pinocchio reiten aus Spaß, egal ob in der Freizeit oder auf dem Turnierplatz – und das ist bis heute so geblieben!


Kalender der Dülmener Wildpferde

Wer noch nicht genug hat vom Dülmener Wildpferd kann Kalender mit wunderschönen Fotos von den Wildpferden und auch von Jana und ihrem Pinoccio erwerben.
Infos: Dülmener Wildpferde