Der Haflinger und der Edelbluthaflinger

Bekannt wurden sie als die hübschen Füchse mit seidiger weiß blonder Mähne und sanftmütigem Blick. Inzwischen haben Haflinger eine weltweite Verbreitung erfahren und zählen auch in Deutschland zu den beliebtesten Freizeitpferden.

Ihren Ursprung fanden die Haflinger jedoch in Südtirol, dem inzwischen auch nach längeren Unklarheiten die Führung des Zuchtbuches zugesprochen wurde.

Ursprung und Geschichte

Seine Ahnen waren kleine Gebirgspferde, für die Tirol bereits in der Römerzeit bekannt war. Eingekreuzte Norikerhengste machten aus den drahtigen Bergponies einen kraftvollen Kaltbluttyp. Der Ursprung der Rasse liegt in dem kleinen Ort Hafling in Südtirol, dem der Haflinger auch seinen Namen zu verdanken hat. In Hafling lebten jedoch nicht begnadete Pferdezüchter, sondern im Gegenteil, arme Gebirgsbauern die ihren kargen Lebensunterhalt mit dem Transport von Warengütern verdingten. Wie die Fahrer, wurden später auch die Pferde einfach so bezeichnet: "Da kommt ein Haflinger!"

Militärische Gründe ließen aus den unscheinbaren Transportpferden eine Rasse entstehen, die obgleich noch sehr jung - sich über alle 5 Kontinente verteilt.

Vor mehr als 100 Jahren wurden Pferde noch bei den Gebirgstruppen des Österreichischen Heeres eingesetzt. Dieses hatte einen großen Bedarf an Tragtieren für die speziellen und neu geschaffenen Waffen. Doch es standen immer weniger dafür geeignete Gebirgspferde wie die Huzulen aus Bukowina zur Verfügung, denn diese wurde zumeist an Nachbarländer für mehr Geld, als Grubenpferde für den Bergbau verkauft.

Die Dringlichkeit wurde erkannt, eine eigene Pferderasse im Land zu schaffen um den eigenen Bedarf zu decken. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Südtirol keine eigene Pferdezucht. Um die Holzfuhrwerke zu ziehen, wurden leichte Kaltblüter aus Galizien und Ungarn eingeführt. Wie bei vielen Kaltblutrassen, waren hier auch immer wieder Füchse mit blonden Langhaar zu finden.

Dem Einfluss der Noriker verdankt der Haflinger neben dem weißen Behang, die dicken Muskelstränge und den breiten Körper.

Doch nicht nur schwere Karren mussten gezogen werden, auch leichte Wagenpferde für den Transport der Menschen wurden gebraucht. Zu diesem Zwecke standen auch immer einige Araberhengste zum veredeln bereit.

Dem Arabereinfluss verdanken die kräftigen Kleinpferde den edlen Kopf mit ausdrucksvollen Augen, großen Nüstern und kleinen Ohren.

Einer von diesen Araberhengsten "El Bedavi", geb. 1968, wurde zur Zucht der ursprünglichen Bergponys in Südtirol eingesetzt. Von seinen Nachkommen, kann der 1874 geborene Goldfuchshengst "249 Folie" als Stammvater unserer beliebten Haflinger gesehen werden.

Eine systematische Zucht des Alpenponys begann aber erst um 1880.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlitt die Haflingerzucht einen herben Rückschlag, denn Südtirol fiel an Italien.

Seit dem Kriegsende 1918 befanden sich der Großteil der Stuten im an Italien abgetretenen Südtirol, wobei die Hengste jedoch in Österreich im Depot in Stadl verblieben. Ohne die besseren Hengste bemühten sich die Italiener die Rasse des Haflinger weiter für das Heer zu erhalten. Sie versuchten dieses, mangels männlicher Tiere durch den Einsatz rassefremder Hengste auszugleichen.

Die Österreicher indes, versuchten durch gezielte Verteilung der Beschäler und den Ankauf von reinrassigen südtiroler Stuten, die Haflingerzucht voran zu treiben.

Schon bald wurde Nordtirol zum Hochzuchtgebiet dieser Rasse und ließ alle Bemühungen der Italiener in Südtirol verblassen.

Eine Geschichte - zwei verschiedene Zuchtrichtungen - eine Pferderasse nur für Deutschland:

In den folgenden Jahren wurde in der Haflingerzucht ziemlich viele Experimente unternommen. Es war fast völlig normal geworden, recht viele andere Rassen mit Haflinger zu kreuzen.

Dieses brachte leider nicht nur Vorteile, sondern die Nachkommen dieser Einkreuzungen verloren das ausgeglichene Temperament, sein nettes Wesen sowie die für Haflinger sprichwörtliche Umgänglichkeit.

Inzwischen hat man die Fehler der Vergangenheit erkannt und die Notbremse gezogen. Ob die Maßnahmen, die ab 2008 gelten jedoch die gewünschte Wirkung bringen, ist abzuwarten.

Verwendung:

Einige wenige Haflinger und Edelbluthaflinger treten auch im Dressursport der Klasse M erfolgreich gegen Großpferde an. Der größte Teil der im Sport verwendeten Pferde dieser Rassen, startet jedoch nach wie vor in den unteren Klassen und kann sich hier bestens behaupten. Hier ist erkennbar, wo das eigentliche Zuchtziel zu finden ist, im Freizeitreiterbereich.

Im Fahrsport jedoch werden sie immer beliebter und haben sich seit Jahren auch auf den vorderen Plätzen etablieren können. Inzwischen gibt es Fahrer, die gerade auf die Haflinger als Zwei- bzw. Vierspänner zählen.

Neben den klassischen Disziplinen des Turniersports trifft man beide Pferderassen immer häufiger im Lager der Westernreiter an. Hier hat er einen eigenen Namen bekommen: „Alpenquarter“. Gerade im Trail und Reining kann er seine Stärken ausspielen. Die guten Platzierungen in den Finalen der Deutschen Meisterschaften sprechen hier für sich.

Wander-, Trekking- und Distanzreiter schätzen den Haflinger wegen seines ausgeglichenen Temperaments, des angenehmen Charakters und der enormen Leistungsbereitschaft.

Der Haflinger

Ab Januar 2008 gilt für Hengste und ab Januar 2013 für Stuten, das nur noch Hengste oder Stuten mit max 1,56% ox-Blutanteil in das Zuchtbuch der Rasse Haflinger eingetragen sind bzw. werden. Ab diesem Zeitpunkt gilt das Zuchtbuch der Haflinger als – geschlossen.

Um diese Werte beim Blutanteil zu erreichen, wurde beim Rassenparlament im Jahr 2005 eine Mindestanforderung von sechs Generationen gefordert. Später stellte man fest, das dieses nicht reicht, und so haben die die Zuchtleiter und Vorsitzenden der Zuchtverbände für die Haflingerzucht am 16. März 2006 diese Anforderung noch einmal überarbeitet. Nun werden alle verfügbaren Pedigree-Informationen (somit also 14 Generationen) herangezogen und nicht wie vom Rassenparlament 2005 beschlossen nur sechs Generationen.

Kurz, man kann sagen, es ist quasi nach dem Hengst Folie, weder auf Stuten-, noch auf Hengstseite erlaubt, Blut anderer Rassen in der Abstammung zu führen.

Darüber hinaus gilt aber die Sonderregelung, bei bereits eingetragenen Haflinger mit einem maximalen Araberblutanteil von 3,125% über die beiden genannten Stichtage hinaus im Zuchtbuch für Haflinger geführt zu werden. Diese Tiere dürfen jedoch nicht weiter zur Zucht mit weiterem Araberblutanteil eingesetzt werden. Diese Sonderregelung gilt nach unseren Recherchen nur für Deutschland. Nachkommen dieser mit Sonderregelung Eintragungswürdigen Elterntiere gelten nach einer Anpaarung mit anderen Haflingern ohne Araberanteilen, ebenfalls als Haflinger.

Ziel ist es, die Genanteile des Arabischen Vollblutes (ox) aus der deutschen Haflingerpopulation heraus zu züchten. Dieses Reinzuchtgebot geht auf eine gesetzliche Vorgabe des Ursprungsland Tirol zurück. Dies ist umso verwunderlicher, das gerade dort – am Ursprung ein Araber Mitbegründer der Haflinger wurde.

Nun aber gilt – je mehr Araber – je weniger Haflinger!


Größe:

1,38 m – 1,50 m

Farben und Abzeichen:

Fuchsfarben vom Lichtfuchs bis Kohlfuchs mit lichtem Langhaar, Unerwünscht sind Farbunreinheiten im Langhaar oder in der Grundfarbe – wozu auch das Stichelhaar zählt. Sie können negativ beurteilt werden und zum Ausschuss aus dem Zuchtbuch führen.
Kopfabzeichen sind erwünscht, aber nicht Voraussetzung. Auch hier führen übermäßige Abzeichen zum Ausschluss. Bis zu drei Beinabzeichen werden toleriert und zum Teil mit Punktabzug quittiert – vier weiße Beinabzeichen führen zum Ausschluss.

Exterieur: 

Edler und trockener Kopf, der in Größe harmonisch zum Pferd passt, große nach vorne gerichtete Augen. Nicht zu lange Halsung die zum Kopf hin verjüngt. Ganaschenfreiheit und Bewegungsfreiheit im Genick, große schräge Schultern mit ausreichender Brusttiefe, mittellanger und gutbemuskelter Rücken, gutes Fundament mit klar ausgeprägten Gelenken, lange und gut entwickelte Fesseln

Aktion:

Guter Raumgriff ohne flache Gänge. Der Gang sollte möglichst korrekt, elastisch und taktrein sein. Guter Schub aus der Hinterhand

Eigenschaften:

Er ist leicht zu handhaben und zeichnet sich durch eine besondere Trittsicherheit aus. Verlässliches Reit- und Fahrpferd für Kinder und Erwachsene

Edelbluthaflinger oder auch Arabhaflinger:

Durch die Änderung der Zucht des Haflinger als Reinzucht fallen die Pferde heraus, die einen Blutanteil von mehr als 1,56% besitzen. Um auch diesen Pferden gerecht zu werden, und auch weil man nicht auf sie verzichten möchte, wurde in Deutschland für diese Kreuzungsprodukte – sogenannte Edelbluthaflinger – ein eigen es Zuchtbuch für „blutgeprägte Haflinger“ eingerichtet.

Anders als das Zuchtbuch des Haflinger, wird es nicht in Tirol, sondern in Deutschland unter dem Dach der FN Reiterlichen Vereinigung geführt werden. Die zugehörigen „Besonderen Bestimmungen“ sind bei den FN-Tagungen 2003 als Bestandteil der Zucht-Verbands-Ordnung (ZVO) verabschiedet worden.

Nach diesen sind Edelbluthaflinger:

  • Pferde, die den Bestimmungen des Ursprungszuchtbuches für Haflinger, aufgrund erhöhter OX-Blutanteilen, nicht entsprechen oder

  • Pferde, die aufgrund der neuen Regelungen absichtlich mit erhöhtem OX-Blutanteil gezüchtet werden.

Der Araberblutanteil darf nur zwischen 1,57 % bis 25 % liegen, Tiere mit weniger als 1,57 % oder mehr als 25 % OX-Blutanteil sind nur im Stutbuch Edelbluthaflinger II oder Hengstbuch II eintragungsfähig. Ihr Stockmaß liegt zwischen 142 bis 152 cm und es dürfen keine weiteren Rassen eingekreuzt werden (geschlossenes Zuchtbuch).


Größe:

1,42 m – 1,52 m

Farben und Abzeichen:

goldenen Deck- und dem blonden Langhaar des Haflinger. Selten kommen auch andere Farben vor

Exterieur: 

elegante im Rechteckformat mit typisch arabischen Kennzeichen. Kurzer trockener Kopf mit einem konkaven Profil, große und klare Augen. ausreichend lange Halsung mit gut aufgesetztem Genick, lange muskulöse und schräg abfallende Schultern, ausgeprägt und reicht weit in den Rücken reichender Widerrist, kräftiger Körper mit einer breiten, tiefen Brust, trockene und korrekte Gelenke mit mittellangen Fesseln und wohl geformten Hufen.

Aktion:

fleißige, taktmäßige, raumgreifende Grundgangarten mit gutem Schub

Eigenschaften:

Angenehmes Reitpferd was sich durch sein Gangwerk und Temperament auszeichnet.