Grundüberlegungen vor der Anschaffung eines Hundes
Warum möchte ich einen Hund?

Diese wichtige Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Und trotzdem sollte sich jeder, der sich mit dem Gedanken trägt einen Hund anzuschaffen, diese Frage stellen und für sich selbst und für das Wohl des künftigen Hundes ehrlich und ausführlich beantworten.

Einige wenige Leute können diese Frage ohne zögern beantworten. Sie hatten oftmals vorher schon einen Hund und wissen genau, warum sie jetzt einen Hund möchten und was sie mit dem Hund zu tun gedenken.

Foto: Agility - ein prima Sport für Hund und Halter


Dies könnten beispielsweise Menschen sein, die im Rettungshundedienst tätig sind oder welche, die sich einen Neuzugang für ihre Hundezucht wünschen. Der Hund könnte hauptsächlich als Spielkamerad für die Kinder gesucht werden oder als Wachhund. Wenn man den Grund genau kennt, dann lassen sich viele Rassen und deren Mixes bereits ausschließen.

Leider können viele oder sogar die meisten Menschen diese einfache Frage hinsichtlich ihres Wunsches nach einem Hund nicht oder nur mit Zögern beantworten. Es könnte sein, dass sie sich schon immer einen Hund wünschen und sich nun diesen Traum erfüllen wollen. Oder es handelt sich beispielsweise um psychisch nicht stabile Menschen, die einen (Schutz-)Begleiter im Hund sehen.

Foto: Groß und Stark - der Bernhardiner

Und genau hier beginnt das Dilemma: Es mangelt am Grundwissen über Hunde allgemein und im besonderen am Wissen um die gewünschte Hunderasse. Warum kommen manche Hunderassen in Mode? Weil sie gerade „in“ sind, weil Leute diese Hunde im Fernsehen gesehen haben oder weil der Nachbar auch so einen schönen Hund hat.


Ein kurzes mir bekanntes Beispiel: Eine Familie mit Kind, alle ohne Hundeerfahrung, hatten 1999 in „Wetten dass“ den hübschen und intelligenten Border Collie „Rico“ gesehen und beschlossen, sich auch so einen Hund zuzulegen. Ohne jegliches Hintergrundwissen um die Bedürfnisse und Anforderungen an eine Hundehaltung oder gar dieser speziellen Rasse holten sie sich einen Border Collie-Welpen ins Haus. Und damit begann ein Drama, das für den Hund nach zweieinhalb Jahren fast tödlich endete.

Ich möchte jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, was alles falsch gemacht wurde, denn das würde den Rahmen diesen Artikels sprengen. Leute, die ein wenig von Hundehaltung und Hunderziehung verstehen, können sich gut vorstellen, was in diesem Fall alles falsch gelaufen sein könnte. Nur kurz zusammengefasst: Der Border Collie ist nicht nur ein hübscher, sondern ein extrem arbeitsfreudiger und intelligenter Hund, dessen ursprüngliche Tätigkeit daraus bestand, den ganzen Tag und auch nachts eine (große) Schafherde zu hüten. Kommt nun ein solcher Hund, dem dieser Beschäftigungsdrang in den Genen liegt, in eine hunde-unerfahrene Familie, die bereits mit dem munteren Welpen überfordert war, sind Konflikte vorprogrammiert.

Diese spezielle Geschichte endete damit, dass man den Hund einschläfern wollte, da „er bissig war“. Der Hund war die letzten 2 Jahre ganz auf sich gestellt und lebte völlig ohne Beschäftigung oder Ansprache nur im Garten alleine vor sich hin. Man konnte ihm noch nicht mal ein Halsband umlegen, geschweige denn, mit ihm spazieren gehen. Jeder Berührungsversuch wurde mit Beißen abgewehrt. Dieser Hund hatte trotzdem noch Glück im Unglück: Es fand sich ein guter Platz auf einem Reiterhof (ohne Kinder) bei Menschen, die genügend Hundeverstand haben, dass sie ihm ein Leben mit ausreichend Bewegung und Beschäftigung bieten können und ihn auch erzieherisch so weit korrigiert haben, dass er nun ein fast normales Hundeleben führen kann. Fast normal deshalb, weil einige Versäumnisse nie mehr aufgeholt werden können.

Dieses Beispiel soll klar machen, dass der Grund für die Anschaffung eines Hundes wirklich wichtig ist, jeder potenzielle Hundehalter sollte bereits vorher genau wissen, warum er einen Hund möchte und wie er sich mit ihm wann beschäftigen möchte und kann. Nach diesen Kriterien kann er dann gezielt auf Hundesuche gehen, einige Rassen und deren Mischlinge scheiden dann oftmals schon aus. So kann es kaum passieren, dass der falsche Hund beim falschen Herrn landet.