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Spitzmaulnashorn
(Diceros bicornis) 

Mit einem Gewicht von 700 bis 1.600 kg , einer Kopfrumpflänge von fast 4 m und einer Schulterhöhe von 1,5 m, gehört das Spitzmaulnashorn zu den größten Landsäugetieren, aber auch zu der kleineren Art der beiden afrikanischen Nashornarten.

Im Gegensatz zum fast doppelt so schweren nächsten Verwandten, dem Breitmaulnashorn, besitzt es einen verhältnismäßig gedrungenen Schädel, größere Ohren, zwei tief angesetzte Hörner sowie die ihm namens gebende zugespitzte Oberlippe, welche wie bewegliche Finger nach Blättern und Zweigen greifen können.


Mit diesem "Greifwerkzeug" ist das Spitzmaulnashorn sogar in der Lage, gezielt bestimmte Blätter zu "pflücken".

Somit unterscheidet es sich vom Breitmaulnashorn, welches sich auf das abweiden von Grasflächen spezialisiert hat. Dieses verfügt über ein breites und quer abgeschnittenes Maul um die Nahrung aus seinem persönlichen Lebensraum aufzunehmen.

Die Nahrung des Spitzmaulnashorns besteht aus Zweigen, wobei es Akazien liebt. Scheinbar grasende Spitzmaulnashörner ziehen holzige Pflanzen aus der Erde, lassen das Gras aber zumeist unberührt.

Im Sprachgebrauch spricht man beim Spitzmaulnashorn auch vom "schwarzen Nashorn", was sicherlich nicht richtig ist, denn beide Nashornarten haben eine graue Haut, welche jedoch die Farbe der letzten Suhle in Schlamm und Staub (fast schwarz bis kalkig weiß) angenommen hat.

Die Namensgebung "schwarzes Nashorn" entstammt eigentlich nur aus fehlerhaften Übersetzungen von Afrikanisch ins Englische, wo das Breitmaulnashorn von den Afrikanern zuvor "wijde für breit" bezeichnet wurde, die Engländer aber "white für weiß" übersetzen.

Später wurde dann das Spitzmaulnashorn als Gegenstück mit "black rhinoceros", also schwarzes Nashorn bezeichnet. Fakt ist jedoch, das sowohl das Breitmaulnashorn als auch das Spitzmaulnashorn farblich nicht zu unterscheiden sind.



In Afrika gab es vier Unterarten des Spitzmaulnashorns:
  •  Südliches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis minor) (Drummond, 1876)
  •  Südwestlisches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis bicornis) (Linnaeus, 1758)
  •  Westliches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis longipes) (Zukowsky, 1949)
  •  Östliches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis michaeli) (Zukowsky, 1965)
Südliches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis minor)
Diese Unterart ist die bis heute noch am weitesten verbreitete Unterart des Spitzmaulnashorns.
Südwestlisches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis bicornis)
Von dieser Unterart gibt es heute noch einige hundert Tiere in Nambia. Vereinzelt soll es auch noch Tiere in Angola geben.
Westliches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis longipes)
Diese Unterart ist das seltenste Spitzmaulnashorn. Einst lebte es in den Savannen des westlichen Zentralafrikas. Heute gibt es nach Experteneinschätzungen nur noch eine Handvoll Tiere in Kamerun. Da die Tiere auf einem sehr großen Gebiet leben, ist die Chance sehr gering, sich zur Paarung zu treffen. Sie stehen somit unmittelbar vor dem Aussterben.
Östliches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis michaeli)
Früher lebte diese Unterart im südlichen Sudan über Äthiopien und Somalia bis Tansania und Kenia verbreitet. Heute gibt es nur noch sehr kleine Bestände in Kenia, sowie vereinzelte Tiere in Tansania und Ruanda.


Wie alle Nashörner suhlen oder wälzen sich Spitzmaulnashörner gerne, um ihren Körper gegen die Hitze abzukühlen, oder als Schutz vor lästigen Insekten, denn häufig werden sie von Parasiten wie Zecken, Magendasseln oder Filarien befallen. Auch Wunden werden durch das Suhlen im Schlamm oder Staubbäder weitestgehend desinfiziert. Gerne begrüßen sie auch Kuhreiher oder andere Vögel auf ihrem Rücken, welche ihnen die lästigen Kleintiere vom Leib halten.

Heimat der Spitzmaulnashörner ist die südliche Sahara Afrika und sind somit viel weiter verbreitet als das Breitmaulnashorn. Dort lebt es am liebsten im Dickicht, wo es oft erst spät von Eindringlingen entdeckt wird. Dieses ist auch ein Grund, warum das Spitzmaulnashorn allgemein als bösartig angesehen wird. Ein aufgeschrecktes Nashorn entzieht sich seinem möglichen Feind durch Flucht, ist eine mögliche Distanz dazu unterschritten, sucht das zu dem noch sehr kurzsichtige Tier (sichtweite max. 20m) sein Heil in Richtung des Angreifers, um ihn dann einfach niederzutrampeln. Aber eigentlich verteidigen die sesshaften Tiere kein Revier was gegen ihre Boshaftigkeit spricht. Muss jedoch ein Jungtier vor einem Angreifer verteidigt werden, ist eine Mutter in der Lage mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 45 Stundenkilometern anzugreifen.

Obwohl beim Nashorn die Augen eher schlecht sind, so besitzen sie einen hervorragenden Geruchssinn sowie ein gutes Gehör.

Wie die Tapire, so sind auch Spitzmaulnashörner Unpaarhufer. Sie haben drei bis an die Hufe in ein Sohlenpolster eingebettete Zehen, die Mittelzehe ist am stärksten ausgebildet.


Im Gegensatz zum Breitmaulnashorn, verbringen Spitzmaulnashörner die meiste Zeit ihres Lebens als Einzelgänger, welche am liebsten in der Dämmerung oder nachts aktiv werden. Die Tage verschläft es im Schatten oder kühlt sich mit Schlammbädern ab.

Nur zur Fortpflanzung der Elterntiere finden Bullen und Kühe zueinander oder zur Aufzucht der Jungtiere durch das Weibchen, wird das Einzelgängerleben unterbrochen. Stehen mehrere Tiere beieinander, so sind es häufig Kühe mit ihren Jungtieren.

Im Alter zwischen 5-7 Jahren kann ein Spitzmaulnashornweibchen das erstemal nach einer Tragzeit von etwa 16 Monaten ein einzelnes Junges zur Welt bringen.

Bereits nach einer Stunde ist dieses in der Lage mit stämmigen Beinchen sein Gleichgewicht zu halten. Sein Gewicht beträgt zu diesem Zeitpunkt bereits 45 kg, es ist behaart und hat an der Stelle wo sich sonst das vordere Horn befindet eine kleine 1 cm hohe Verdickung, das zweite Horn ist noch nicht angedeutet.

Jungtiere bleiben bis zum nächsten Jungen, also etwa zwei bis drei Jahre bei der Mutter. Während dieser Zeit werden sie von ihr gesäugt und vor Feinden beschützt. So lange das Kleine Schutz und Nahrung der Mutter benötigt, ist sie nicht in der Lage ein weiteres Kalb zu bekommen. Ist dann dennoch die Zeit für ein neues Kalb gekommen, verlassen die Jungbullen ihre Mutter, Weibchen werden oft auch noch vom Muttertier akzeptiert, obwohl das neue Junge bereits geboren wurde.


Die Lebensdauer von Spitzmaulnashörnern beträgt um die 45 Jahre.

Vor 50 Jahren gab es noch etwa 70.000 Spitzmaulnashörner auf unserer Erde. Durch Wilderei und Lebensraumvernichtung schrumpfte ihr Bestand 1997 auf nur noch 2.600 Exemplare. Dank enormer Schutzmaßnahmen gibt es heute wieder fast 4.000 Tiere - doch auch die Wilderei nimmt wieder zu sowie die weitere Zerstörung des natürlichen Lebensraums.

In folgenden Deutschen Zoologischen Einrichtungen kann man Spitzmaulnashörner sehen (Stand 2009):

Ostafrikanisches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis michaeli)

  • Berlin (Zoologischer Garten)
  • Hannover (Zoo)
  • Köln (Zoo)
  • Krefeld (Zoo)
  • Leipzig (Zoo)
  • Magdeburg (Zoo)

Südafrikanisches Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis minor)
  • Frankfurt (Zoo)
Zum Gegenstück, dem Breitmaulnashorn geht es hier lang
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Copyright 2010 © Tierwissen.de Text und Fotos: Chawera
Fotos mit Freundlicher Genehmigung im Zoo Krefeld entstanden.




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