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Breitmaulnashorn
(Ceratotherium simum simum und Ceratotherium simum cottoni) 

Das Breitmaulnashorn gehört zur Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla) in die Familie der Nashörner (Rhinocerotidae).

Es ist nach dem Afrikanischen und Asiatischen Elefanten das drittgrößte Landsäugetier der Erde und somit auch größer als das ebenfalls in Afrika vorkommende Spitzmaulnashorn.

Bis vor kurzem existierten in den afrikanischen Savannen noch zwei Unterarten des Breitmaulnashorn - das südliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum) und das nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni).


Ursprünglich lagen die Verbreitungsgebiete der beiden Unterarten des Breitmaulnashorn mehr als 2000 km auseinander. Anzumerken ist auch, dass Untersuchungen aus dem 80er Jahren ergaben, das beide Arten sich bereits vor etwa 2 Millionen Jahren genetisch in zwei verschiedene Richtungen entwickelt haben.

Das Südliche Breitmaulnashorn lebte ursprünglich in Angola, Mosambik, Simbabwe, Botswana, Namibia, Swaziland und kam in Südafrika vor. Heute trifft man es vor allem in Schutzgebieten Südafrikas an. Vereinzelte Populationen wurden wieder in Botswana, Namibia, Swaziland und Simbabwe eingebürgert. Obwohl es in Kenia, Sambia und an der Elfenbeinküste ursprünglich nicht vor kam, wurde es dort in heutiger Zeit zur Arterhaltung angesiedelt.

Im vorigen Jahrhundert umfasste das Verbreitungsgebiet des Nördlichen Breitmaulnashorn Gebiete des Tschad, der Demokratische Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Uganda und des Sudan.

In freier Wildbahn ist das nördliche Breitmaulnashorn laut Weltnaturschutzunion IUCN seit 2008 nicht mehr gesichtet worden und steht somit auf der Roten Liste gefährdeter Arten als am meisten gefährdet. Es gäbe nunmehr nur noch zwei Exemplare im Zoo in San Diego, sowie sechs im tschechischen Zoo in Dvur Králové.

Zwischen den Jahren 1977 bis zum Jahr 2000 konnte der Zoo in Tschechin noch die Geburten von fünf Kälbern erleben. Seither ist eine weitere Nachzucht zur Arterhaltung trotz aller Bemühungen bis heute nicht wieder gelungen.

Da alle Versuche als gescheitert gesehen werden können, das nördliche Breitmaulnashorn hinter Gittern vom Aussterben zu bewahren, hat sich der Zoo in Dvur Králové im Dezember 2009 schweren Herzens zu einer ungewöhnlichen Rettungsaktion entschlossen.

Nur ein wieder Auswildern kann nun als letztes Aufgebot an Anstrengungen gesehen werden, sie zu retten und ihren Gen-Pool vor dem Aussterben zu bewahren.

Per Flugzeug traten vier der extrem seltenen nördlichen Breitmaulnashörner am 19. Dezember 2009 ihre mehr als 6000 Kilometer lange Reise von Tschechin nach Kenia an. Dort, im Naturschutzreservat Ol Pejeta sollen die zwei Weibchen und zwei Bullen, die Möglichkeit finden, sich unter natürlichen Lebensbedingungen zu vermehren um die Art zu retten. Wie in afrikanischen Reservaten üblich, werden die vier nördlichen Breitmaulnashörner künftig nach Auskunft des Zoos von bewaffneten Rangern beobachtet.

Die vier älteren Tiere, die in den Zoos in Tschechin und den USA verbleiben, sind nicht mehr zeugungsfähig.


Das Breitmaulnashorn unterscheidet sich von seinem nahem Verwandten, dem Spitzmaulnashorn durch seine Spitzohren, seinem breiten stumpfen Maul und seinem aus Bindegewebe und Muskulatur bestehenden auffallenden Nackenhöcker.

Sein Maul besitzt nicht die Möglichkeit Äste abzureißen (fehlender Greiffortsatz), sondern seine Unterlippe besitzt eine hornige Kante, welches ihm die fehlenden Schneidezähne zum abreißen von Grasnahrung ermöglicht.

Dem Breitmaulnashorn fehlen nicht nur die Schneidezähne, sondern es hat auch keine Eckzähne. Daher setzt es nur eine Lippen zum Grasen oder Äsen ein. Es ist auch das einzige Nashorn, welches sich ausschließlich von Gräsern ernährt.
Zum Lebensraum des Breitmaulnashorn gehören die Tropischen und subtropische Grasflächen, Savannen und Buschvegetationen, da es als Grasfresser ein mit Gras und niedrigem Buschwerk bewachsenes Gelände bevorzugt. Hier muss es jedoch zum Schutz vor Feinden oder der sengenden Hitze genügend Busch- oder Walddichtungen vorfinden um Schatten oder Sichtschutz zu finden.

Wie alle Nashörner suhlen oder wälzen sich auch Breitmaulnashörner gerne, um ihren Körper gegen die Hitze abzukühlen, oder als Schutz vor lästigen Insekten, denn häufig werden sie von Parasiten wie Zecken, Magendasseln oder Filarien befallen. Auch Wunden werden durch das Suhlen im Schlamm oder Staubbäder weitestgehend desinfiziert. Gerne schätzen sie auch Kuhreiher oder andere Vögel auf ihrem Rücken, welche ihnen die lästigen Kleintiere vom Leib halten.


Im Sprachgebrauch wird beim Breitmaulnashorn auch vom "weißen Nashorn" gesprochen, was sicherlich nicht richtig ist, denn beide Nashornarten haben eine graue Haut, die jedoch die Farbe der letzten Suhle in Schlamm und Staub (fast schwarz bis kalkig weiß) angenommen hat.

Die Namensgebung weißes Nashorn entstammt eigentlich nur aus fehlerhaften Übersetzungen von Afrikanisch ins Englische, wo das Breitmaulnashorn von den Afrikaner zuvor "wijde für breit" bezeichnet wurde, die Engländer aber "white für weiß" übersetzen.

Fakt ist jedoch, das sowohl das Breitmaulnashorn als auch das Spitzmaulnashorn rein an der Farbe ihrer Haut nicht zu unterscheiden sind.

Die schiefergraue bis bräunliche Haut der Breitmaulnashörner ist bis auf die Ohren und Schwanzspitze unbehaart.

Nashörner sind wie die Tapire Unpaarhufer. Sie haben drei bis an die Hufe in ein Sohlenpolster eingebettete Zehen, die Mittelzehe ist am stärksten ausgebildet.

Im Unterschied zum Spitzmaulnashorn, ist das Breitmaulnashorn ein überwiegend tagaktives Tier, welches jedoch die direkte Sonneneinstrahlung vermeidet. Zum Schutz zieht es sich dann möglichst unter Bäumen und Büschen zurück

Wie alle Nashörner muss es täglich eine große Menge Wasser (ca. 80 Liter) zu sich nehmen, ein Grund, warum es Gebiete in der Nähe von Gewässern vorzieht. Fehlen diese wichtigen Wasserstellen, so unternimmt es regelmäßige Wanderungen zu geeigneten Stellen.


Breitmaulnashörner verfügen über einen außerordentlich gut ausgeprägten Gehör- und Geruchssinn. Die Ohrmuscheln lassen sich auf jedes Geräusch ausrichten. Das Volumen der Riechzellen in den Nasengängen wiederum ist größer als das ihres Gehirns. Dieses alles ist wichtig, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen, denn wie bei allen anderen Nashornarten, sehen auch die Breitmaulnashörner nicht besonders gut.

Im Gegensatz zu den Spitzmaulnashörner sind die Breitmaulnashörner keine so strikten Einzelgänger. Zuweilen lassen sich schon mal kleine Gruppen von Tieren finden, welche aus Kühen mit ihren Kälbern, sowie anderen Weibchen finden. So lange Bullen nicht versuchen dieses Gefüge durch Paarungsverhalten zu stören, werden sie kurzfristig auch schon mal geduldet.

Ansonsten leben ältere Bullen alleine in einem festen Revier bis zu 3 km² Größe, welches sie auch gegen andere Bullen verteidigen. Dieses vollzieht sich zumeist aber selten in ernsthaften Kämpfen. Bullen die noch nicht Paarungsbereit sind, sowie andere Kühe werden ohne Probleme im Revier geduldet.

Da die Streifgebiete der Weibchen nicht gegen Nebenbuhler verteidigt werden müssen, überlappen sie sich und sind daher deutlich größer als die der Männchen. Entsprechen der Lebensraumqualität umfassen sie 10 bis 25 km² und bei geringer Dichte der Population sogar bis zu 50 km². Ihre Territorien markieren Breitmaulnashörner durch feste Kotplätze oder dem Verspritzen von Urin.

Alle Nashörner sind nach ihrem auffälligsten Merkmal benannt: ihren Hörnern.

Diese haben allerdings keinen knochigen Kern, sondern bestehen aus zusammengewachsenen Keratinfasern, einer Hornsubstanz.

Die beiden Hörner des Breitmaulnashorn sind hintereinander angeordnet, wobei das vordere meist das größere ist. Das vordere Horn der Weibchen kann mit einer maximalen Länge von bis zu 165 Zentimetern etwa 45 Zentimeter länger werden als das der männlichen Tiere.


Ihr Horn ist als Trophäe sehr begehrt und stellt als kunstvollen Dolchgriff vor allem im Jemen, ein Statussymbol dar.

Aber auch in der traditionellen asiatischen Medizin war das Horn pulverisiert zur Fiebersenkung und als Heilmittel gegen Epilepsie und Malaria sehr begehrt. Sein Wert überstieg den Wert von Gold.


Ebenfalls wie die Spitzmaulnashörner, sind entgegen der weitläufigen Meinung, auch die Breitmaulnashörner nicht gerade angriffslustig. Sie greifen nur an zu ihrem eigenen Schutz oder um ihre Kälber zu schützen. Durch ihr Horn welches als Angriffswaffe dient, sind sie jedoch mit einem Tempo bis 30 km/h unterwegs und können so zu einem sehr gefährlichen Gegner werden.

Ihre Geschlechtsreife erreichen die Kühe im Alter zwischen 7-9 Jahren. Die Bullen werden erst im Alter von zehn bis zwölf Jahren Geschlechtsreif. Sie pflanzen sich jedoch erst dann fort, wenn sie ein eigenes Revier festigen und sich gegen andere, ältere Bullen behaupten können.

Mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,90 m und einem Gewicht von bis zu 3,6 t sind die Männchen deutlich massiger als gleichaltrige Weibchen. Diese haben eine Schulterhöhe von bis zu 1,80 m und werden max. 1,7 t schwer. Männchen können eine Körperlänge bis zu 4 m erreichen, wobei Weibchen etwa 50 cm kürzer bleiben. Ist es dann zu einer Verpaarung gekommen, erblickt nach einer Tragzeit von etwa 16 Monaten ein einzelnes Kalb von etwa 40 kg das Licht der Welt.

Bereits nach einer Stunde ist dieses in der Lage mit stämmigen Beinchen sein Gleichgewicht zu halten und nach einiger Zeit im Stande, seiner Mutter zu folgen

Jungtiere bleiben bis zum nächsten Jungen, also etwa zwei bis drei Jahre bei der Mutter. Bis zu einem Jahr werden sie von ihr gesäugt und bis zu ihrem Fortgang vor Feinden beschützt. So lange das Kleine Schutz und Nahrung der Mutter benötigt, ist sie nicht in der Lage ein weiteres Kalb zu bekommen. Ist dann dennoch die Zeit für ein neues Kalb gekommen, verlassen die Jungtiere für eine Weile ihre Mutter, gesellen sich später aber häufig wieder für einige Zeit zur Mutter.


Die Lebensdauer von Breitmaulnashörnern beträgt um die 40 Jahre.

Dank enormer Schutzmaßnahmen gibt es heute wieder fast 14.500 Tiere - doch auch die Wilderei nimmt wieder zu, sowie die weitere Zerstörung des natürlichen Lebensraums.

In folgenden Deutschen Zoologischen Einrichtungen kann man Breitmaulnashörner sehen (Stand 2009):

Südliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum)

  • Augsburg (Zoo)
  • Dortmund (Zoo)
  • Duisburg (Zoo)
  • Erfurt (Zoopark)
  • Gelsenkirchen (Zoom Erlebniswelt)
  • Hodenhagen (Serengeti-Park)
  • München (Zirkus Krone-Zoo)
  • Münster (Allwetterzoo)
  • Osnabrück (Zoo)
  • Schloß Holte-Stukenbrock (Safari- und Hollywoodpark)
  • Schwerin (Zoo)
Nördliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni)
  • keine
Zum Gegenstück, dem Spitzmaulnashorn  geht es hier lang
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Copyright 2010 © Tierwissen.de Texte und Fotos (1;3-7) Chawera ; Foto (2) ZOO Dvur Kralove a. s.

Das seltene Foto des nördlichen Breitmaulnashorn wurde uns mit freundlicher Genehmigung vom Zoo in Dvur Králové
zur Verfügung gestellt wofür wir uns recht herzlich bedanken.
Alle anderen Fotos durften mit freundlicher Genehmigung im Allwetterzoo Münster aufgenommen werden.
Auch hier an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!







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