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Esel

„Folge einer Ziege und sie führt dich in den Abgrund – folge einem Esel und er führt dich sicher nach Hause“ sagt ein altes arabisches Sprichwort. 

Ein vertrauensvoller Dankspruch an ein Tier, dessen tüchtiger Einsatz im Dienste des Menschen oft gar nicht gedankt wird. Während Eselhaltung bei uns meist reines Freizeitvergnügen ist, werden Esel in anderen Ländern zu schweren Arbeiten bei schlechten Fütterungs- und Haltungsbedingungen herangezogen. 

Foto: Touristen bei einem Eselritt in Griechenland

Esel gehören zur Familie der Pferde, der lediglich sieben Arten angehören:

- das Urwildpferd
- das Steppenzebra
- das Bergzebra
- das Grevy-Zebra
- der Afrikanische Wildesel
- der Asiatische Wildesel (Halbesel)
- und der Tibet-Wildesel (Kiang) 
 

Foto: Wildesel Kiang 

Unsere heutigen Hausesel stammen nach letzten Erkenntnissen ausschließlich vom Afrikanischen Wildesel ab. Die beiden anderen Eselarten haben anscheinend keine Rolle bei der Entstehung gespielt. Im Gegensatz zu Pferden werden Esel nicht in verschiedene Rassen eingeteilt, sondern nach drei Größen unterschieden:

-bis 105 cm: Zwerg-Esel
- bis 135 cm: Normal-Esel
- ab  136 cm: Riesen-Esel 

 


 
Lediglich die Riesen-Esel werden noch in sechs Rassen gegliedert: 
 

 - Andalusischer Riesen-Esel
 - Katalanischer Riesen-Esel
 - Martina-Franca-Esel
 - Poitou-Esel
 - Großer weißer ägyptischer Esel
 - Amerikanischer Mammoth Jack
 
 

Fotos:  
links Poitou-Eselfohlen  
rechts Martina-Franca Esel  

 

Der Fantasie der Züchter entspringen oft weitere Rassenbezeichnungen für ihre Esel, die aber nicht offiziell anerkannt sind, dafür aber häufig einen höheren Verkaufspreis erzielen können. 

Eine Kreuzung zwischen Pferdestute und Eselhengst wird als Maultier bezeichnet. 
 

Ein Maulesel (Muli) ist das Ergebnis einer Liebe zwischen Eselstute und Pferdehengst. Beide, sowohl Muli als auch Maultier gelten in der Regel als unfruchtbar und können sich meist nicht weiter fortpflanzen, es gibt aber Ausnahmen. 

Bei uns gibt es nur wenige Maultiere oder Maulesel, da ihr Arbeitseinsatz kaum noch gefragt ist, selbst beim Militär werden sie immer weniger gebraucht. 
 
 

Foto: Eselkreuzung beim Militär 
 

Die Domestikation (Haustierwerdung) der Esel begann in Ägypten. Bereits seit etwa 6.000 Jahren nutzt der Mensch die Dienste des Esels. Meist zu Transportzwecken, um schwere Lasten oder Menschen zu tragen, war und ist der Arbeitseinsatz des Esels gefragt. Meist eingespannt vor dem Fuhrwerk oder als Mühlenesel wird das anspruchslose und genügsame Tier genutzt. Auch heute noch dienen Esel vielfach in meist südlichen Ländern in dieser Weise ihren Herren. Trotzdem dass sie ein wichtiger Bestandteil zur Sicherung der Existenz vieler Menschen sind, werden sie oft jämmerlich gehalten und dabei teilweise bis an ihre Grenzen geschunden. In unseren Urlaubsländern können wir dies häufig beobachten. Esel im Arbeitseinsatz sieht man bei uns dagegen kaum. Lediglich in Weinbaugebieten werden manchmal Esel oder Maultiere/Mulis als Alternative zu kleinen Traktoren eingesetzt, da sie sich trittsicher am Hang durch die schmalen Gänge zwischen den Reben bewegen, ohne dabei dem Boden zu schaden und die schweren Rebenkörbe sicher nach Hause tragen können.

Esel besitzen keinen Fluchttrieb wie Pferde. Sie verlassen sich bei Gefahr auf sich selbst. Dadurch dass sie eine gefährliche Situation erst prüfen und, wie es scheint analysieren, wirken sie auf uns Menschen oft dickköpfig. Aus dieser Reaktion entstand der Spruch vom „sturen oder dummen Esel“. Dabei ist es doch ein Zeichen seiner Intelligenz, dass er erst eine Situation selbst prüft und sich nicht blind auf andere verlässt.


 
Haltung von Eseln

Esel sind keine Ponys! Der aus dem Süden stammende Esel ist ursprünglich ein Wüstentier und seine Unterbringung erfordert bei unserem feucht-kalten Klima weit mehr Fürsorge als die Robusthaltung von Ponys. Das Fell der Esel schützt sie zwar recht gut gegen Kälte und Hitze, aber nicht gegen Durchnässen. Deshalb muss dem Grautier auf jeden Fall ein trockener, zugfreier Unterstand zur Verfügung stehen. Keinesfalls dürfen Esel dauerhaft auf feucht-nassem Untergrund stehen, da ihre Hufe dann zu Fäule neigen.
 

Obwohl Esel keine ausgesprochenen Herdentiere sind, benötigen sie Gesellschaft. Kein Esel sollte allein gehalten werden.

Ein Hauptaugenmerk muss auf die Ernährung geworfen werden. Esel stammen aus sehr kargen Gebieten, in denen sie für ein paar Grashalme weite Strecken zurücklegen müssen. Unsere üppigen Wiesen werden ihnen leider schnell zum Verhängnis. Die Tiere verfetten und erkranken häufig an Hufrehe, Koliken und Lebererkrankungen. Deshalb sollten sie nur auf kargen Weiden gehalten werden und zur Beschäftigung reichlich Zweige und Äste erhalten. 

Foto: Bulgaren Esel 

Wer ein Reittier sucht, sollte sich lieber für ein Pony/Pferd entscheiden. Esel sind nur bedingt zum Reiten geeignet, da sie höchstens ein Sechstel ihres Eigengewichtes tragen sollten. Vor eine leichte Kutsche gespannt, fühlt sich das Verlasstier wesentlich wohler und durch seine Unerschrockenheit kann er auch von Fahranfängern gut geleitet werden.
 

Medizinische Unterschiede zwischen Esel und Pferd

Esel dürfen nicht automatisch wie Pferde therapiert werden, dies könnte lebensgefährlich für die Tiere sein. Vor einer anstehenden medizinischen Behandlung sollte man sich nach einem Tierarzt mit Eselerfahrung umsehen. Unterschiede zwischen Pferden und Eseln bestehen nicht nur äußerlich, sondern auch anatomisch. Beispielsweise haben Esel 31 Paarchromosomen im Gegensatz zu Pferden mit 32 Paarchromosomen. 

Die Tragzeit beim Esel beträgt etwa 12 Monate, bei Pferden ca. 11 Monate. Esel können 40 Jahre und älter werden, Pferde sind mit 30 schon außergewöhnlich alt. 

Außerdem bestehen auch Unterschiede bei den Stimmbändern (ein Esel wiehert nicht wie ein Pferd) und beim Kehlkopf. Im Kehlkopf des Esels befindet sich ein sogenannter Blindsack, den es bei Pferden nicht gibt. 

Bei einem eselunerfahrenen Tierarzt kann z.B. die Nasensonde in diesen Blindsack geraten anstatt in die Speiseröhre. 

Selbst eine Spritze in die Vene muss beim Esel anders gesetzt werden, da das mittlere Drittel der Halsvene von einem Hautmuskel überzogen ist, was eine Punktion in diesem Bereich fast unmöglich macht. 

Im Gegensatz zu Pferden mit 6 Lendenwirbeln haben Esel lediglich 5. 
 
 
 

Foto: Zwergeselfohlen

Eine Temperaturmessung beim Esel kann sehr unterschiedlich ausfallen, da sie stark variieren kann, ohne dass der Esel deshalb krank sein muss. Die Normaltemperatur liegt etwa bei 37 Grad, kann aber je nach Außentemperatur auch mit 35,5 oder 39 Grad noch im Normalbereich liegen (bei Pferden 37,5 – 38,2 Grad). Gefährlich kann dem Esel auch eine Medikamentengabe wie bei Pferden werden, da er einen anderen Stoffwechsel hat. Teilweise werden Medikamente anders vertragen, schneller oder langsamer abgebaut oder können sogar Vergiftungen hervorrufen.


 
Aussehen

Esel können in fast allen Farben vorkommen. Meist ist die Fellfarbe grau, braun oder schwarz, seltener weiß oder gescheckt. 

Die meist dunkle Stehmähne mündet in einen Aalstrich, der über den gesamten Rücken bis zum Schweif verläuft, der in einer Quaste endet. Über den Schultern im Bereich des Widerrists verläuft meist ein dunkles Querband, welches von oben betrachtet in Verbindung mit dem Aalstrich ein Kreuz (Schulterkreuz) bildet. 

Fast alle Esel besitzen Zebrastreifen an den Beinen. Hell bis weiß gezeichnet sind der Bauch bis zum oberen Beinansatz, ebenso der Bereich um die Augen sowie das Maul.

Die legendären Eselohren wirken für den Kopf zu lang und geben dem Esel den typischen Ausdruck. In ihrer ursprünglichen Heimat, der Wüste, dienen die Ohren der Körperklimatisierung, da sie durch ihre Länge und ihre Dünnhäutigkeit schneller abkühlen und damit auch den Körper des Esels vor Überhitzung schützen. 
Die Geschlechtsreife setzt etwa mit zwei Jahren ein. Wie bei Pferden können auch bei Eseln Zwillingsgeburten vorkommen.
 


 
Sonstiges

Da der Equidenpass seit dem 1.7.2000 für alle Einhufer vorgeschrieben ist, fällt auch der Esel unter diese Verordnung. Der bisherige Impfpass fällt dadurch weg. Der Equidenpass muss für jeden Esel (oder auch Muli/Maultier) bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) beantragt werden.
 

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Copyright 04/2008 © Tierwissen.de
Text: K.Rauen
Fotos: B.Mielewczyk



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